Herbstbesuch in der Ukraine – Teil 2 – Halbinsel Krim und Dnipropetrovsk

Kurz hinter Ochakiv wurde das Wetter so richtig schlecht. Es begann in Strömen zu regnen. Ich hoffte nur, dass wir in den nächsten Tagen auch etwas Sonne zu sehen bekommen, denn im Süden der Halbinsel Krim warteten doch eine ganze Menge Sehenswürdigkeiten. Kurz hinter Kherson wurde es bereits dunkel. So blieb mir der Blick auf die steppenartige Landschaft im Nordteil der Halbinsel zunächst erspart. Kurz hinter Simferopol fanden wir eine nette kleine Pension. Im angeschlossenen Restaurant genossen Oleg, Lena und ich noch sehr schmackhafte armenische Speisen.

Das Landschaftsbild veränderte sich sofort hinter Simferopol. Die Steppe ging innerhalb weniger Kilometer in eine schroffe Mittelgebirgslandschaft über. Die höchsten Gipfel des Krimgebirges sind immerhin über 1.500 Meter hoch. Aus dem Auto heraus konnten wir diese herrliche Gegend genießen. Durch die gestrigen Niederschläge und die fast schon winterlichen Temperaturen waren die Berge sogar mit etwas Schnee überzuckert. In scharfen Kurven zog sich die Straße hinunter nach Alushta. Ab hier folgten wir der Küste, an der sich von jetzt an ein Ferienort an den anderen anschloss. Über Jalta fuhren wir bis Gaspra, wo wir ein kleines sympathisches Hotel bezogen. Das Wetter zeigte sich von seiner wechselhaften Seite. Kurze Regenschauer wechselten sich mit sonnigen Abschnitten ab. Auf unserer Besichtigungstour standen heute der Livadija-Palast (Sommerresidenz des letzten russischen Zaren Nikolaus II und Austragungsort der Konferenz von Jalta -  Stalin, Churchill und Roosevelt verhandelten 1945 über das Nachkriegseuropa) und Jalta, den wohl bekanntesten Kur- und Badeort an der Südküste der Krim. Oleg wollte noch hoch auf die Berge fahren. Ein sehr lohnender Einfall. Vom Bajdarskie Worota (dem Bajdar-Tor) bot sich ein herrlicher Ausblick auf die Kirche von Foros (427 Meter über dem Meer) und die sehr abwechslungsreiche wilde Südküste. Dank Lena statteten wir dem nahegelegenen Restaurant einen Besuch ab und probierten typische Spezialitäten der Krimtataren. Es gab unter anderem Cheboreki – eine mit Hammelfleisch oder Schafskäse gefüllte frittierte Mehlspeise, die wirklich ausgezeichnet schmeckte.

Am nächsten Tag weckte uns ein stahlblauer Himmel. Nach dem Frühstück fuhren wir auf den 1234 Meter hohen Aussichtsberg Aj-Petri. Relativ schnell quollen aber wieder die Kumulus-Wolken und als wir den Berg erreichten, war die Sicht auf Jalta bereits wieder versperrt. Oleg hatte die wohl perfekte Idee in dieser Situation. Über die schmale und kurvenreiche Straße fuhren wir einfach in Richtung Bakhchisaray weiter. Das Krimgebirge brach hier in Richtung Südküste steil und felsig zum Meer hin ab. Vom Aj-Petri in Richtung Norden erwartet uns eine Hochebene mit weichen Grashügeln, die im weiteren Verlauf in eine Waldzone überging und kurz vor der Steppe mit kleinen Tafelbergen endete. Dann war Bakhchisary erreicht. In dieser ehemaligen tatarischen Stadt lockt der Khan-Palast unzählige Touristen aus aller Welt an. Vom 16. bis 18. Jahrhundert errichteten iranische, türkische, ukrainische und russische Baumeister die große und noch sehr gut erhaltene Palastanlage. Die Bevölkerung ist hier größtenteils muslimisch und vom Aussehen erinnerten mich die Menschen eher an die Türkei als an die Ukraine. Die osmanischen Einflüsse waren unübersehbar. Typische Restaurants mit tatarischer Küche luden erneut zum Probieren der lokalen Spezialitäten ein. Neben einer schmackhaften Suppe lies ich mir Manti (Mehlspeise mit Hammelfleisch) schmecken. Zum Tee wurde eine Marmelade aus äußerst leckeren Waldfrüchten (phonetisch Kysyl´) gereicht, die ich bisher aber noch nicht identifizieren konnte. Bei der Rückfahrt stoppten wir nochmals am Aj-Petri. Die Wolkendecke riss kurz auf und gab bizarre Ausblicke auf die Südküste frei. Ein herrlicher Tag an der Krim ging zu Ende, der von der Landschaft und den Menschen her nicht abwechslungsreicher hätte sein können.

Am nächsten Tag hieß es bereits wieder Abschied nehmen. Nach einem kurzen Aufenthalt am Schwalbennest und einem letzten Blick auf die traumhafte Küstenlandschaft ging es über Simferopol und Zaporizhzhia weiter nach Dnipropetrovsk.

Im Gegensatz zu vielen anderen ukrainischen Städten empfing mich Dnipropetrovsk mit einem modernen Stadtbild. Luxusapartments, schicke Einkaufszentren, exquisite Restaurants etc. gibt es nicht überall in Osteuropa in dieser Häufigkeit. Die mit etwas mehr als 1 Million Einwohnern zählende drittgrößte Stadt der Ukraine ist zugleich auch die jüngste Stadt des Landes. Bis in die 90er Jahr war Dnipropetrovsk für Touristen eine „verbotene Stadt“, da hier bedeutende Firmen der Weltraum- und Rüstungstechnik ansässig waren. Mit einem Besuch beim russischen Staatszirkus, der eine atemberaubende Vorführung bot, endete mein Aufenthalt in der Ukraine. Oleg und Lena verabschiedeten mich und mit dem Schnellzug ging es in etwa 6 Stunden wieder nach Kiew. Am nächsten Tag flog ich über Wien zurück nach Frankfurt am Main.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Oleg und Lena für den wunderschönen Aufenthalt auf der Krim und in Dnipropetrovsk bedanken.

Tipp:

Wer einmal in Dnipropetrovsk ein exotisches Lokal aufsuchen möchte, dem empfehle ich das „Cafe Cuba“. Miguel Angel und seine ukrainische Frau betreiben eine kleine Bar, in der lateinamerikanischer Musik gespielt wird.

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