Slowakei 2012 Teil 3 – Kletterei auf die Lomnitzer Spitze

In der Hohen Tatra gibt es nicht nur Berge, die für normale Wanderer zugänglich sind. Einige Gipfel bleiben erfahrenen Bergsteigern und Kletterern vorbehalten. Darunter zählt auch die Lomnitzer Spitze (Lomnický štít – 2.634 Meter), die wir heute über die westliche Flanke bezwingen wollen. Die Aussicht von hier oben ist einfach überwältigend und mithilfe der Kabinenseilbahn kann auch der normale Tourist dieses Vergnügen genießen – vorausgesetzt die Seilbahn wird nicht gewartet, das Wetter ist stabil, der Wind bläst nicht zu stark und die Anzahl der Touristen lässt die Wartezeit nicht ins unendliche steigen!

Vom Tal aus wäre der Anstieg beträchtlich. Dank einer Kabinenbahn und eines Sessellifts besteht aber die Möglichkeit, insgesamt gute 1.200 Höhenmeter einzusparen. Vom Ausstieg des Lifts sind es nur wenige Meter zum Lomnitzer Sattel, der ein erstes Bergpanorama auf den westlichen Teil des Gebirges und das Studená-Tal freigibt.

Etwa 440 Höhenmeter Aufstieg stehen jetzt auf dem Programm. Die Schwierigkeiten im Aufstieg zur Lomnitzer Spitze bestehen in erster Linie in der Orientierung. Aber auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich. Es gibt keine markierten Wanderwege mehr. Der Bergsteiger muss sich auf sein Gefühl und seinen Orientierungssinn absolut verlassen können. Da ist es gut, dass zu unserer Gruppe Pedro (mein Vater) und sein langjähriger Bergkamerad Ludwig (85 Jahre alt!) gehören, die durch ihre Erfahrungen sofort den Weg finden und der Gruppe so einen sicheren Aufstieg gewährleisten.

Vom Sattel aus sind zunächst noch viele verschiedene Wegspuren zu erkennen, die sich weiter oben aber alle verlaufen. Über ein großes Schuttfeld mit eingelagerten Schrofen kommt die Gruppe gut voran. Nach ungefähr 30 Minuten erreichen wir eine sehr ausgesetzte Stelle, die mit einem Drahtseil versichert ist und Tiefblicke in das Studená-Tal freigibt. Zu allem Unglück ziehen jetzt auch noch Wolken in den Berg und versperren teilweise die Sicht. Wir queren die Westflanke der Lomnitzer Spitze über einen schmalen und kaum erkennbaren Pfad, der unter den Felswänden plötzlich endet. Mein Vater hat schnell den Einstieg zum Klettersteig gefunden und auch Ludwig befindet sich jetzt voll in seinem Element. Wie eine junge Gämse steigt er voran und fühlt sich in diesem Terrain sichtlich wohl. Mit Hilfe von Drahtseilen klettern wir in einer steilen Felsrinne bergauf und erreichen nach etwa einer guten halben Stunde den Gipfel.

Schwere Sturmböen machen uns allen zu schaffen und wir sind froh, dass es eine windgeschützte Stelle neben der Bergstation der Kabinenseilbahn gibt. Nach 10 Minuten passiert etwas Unerwartetes. Die Wolken reißen auf und geben fantastische Blicke auf die Hohe Tatra frei und wir, als einzige Gipfelbesteiger des heutigen Tages, können alleine die Aussicht genießen. Im Sonnenschein stiegen wir zum Sattel ab und fahren mit der Kabinenseilbahn wieder hinab nach Tatranská Lomnica. Meinen Respekt hat heute vor allem Ludwig verdient, der trotz seines hohen Alters von 85 Jahren diesen Berg ohne Probleme besteigen konnte.

Lomnitzer Spitze und Kesmarker Spitzer vom Skalnaté pleso

Hans im Aufstieg

Neben Drahtseilen kommen auch Stahlbügel als Aufstiegshilfe zum Einsatz

Die Gruppe in der steilen Rinne

Gipfelfoto mit Hans, Pedro, Manfred und Ludwig

Die Seilbahnstation am Gipfelplateau der Lomnitzer Spitze

Blick in das Herz der Hohen Tatra

Der Abstieg erfordert erneut große Aufmerksamkeit

 

 

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