Rheinsteig-Biwak – Teil 2 – 16.10.2011

Zwölf Stunden im Wald herumliegen – das hieß zumindest für mich endlich mal wieder in vollen Zügen ausschlafen. Bereits gegen 7.00 Uhr sprangen wir im fahlen Morgenlicht aus den Schlafsäcken und erst jetzt wurde es etwas kühl. Die 2 Grad Celsius in der Nacht hatte niemanden von uns etwas anhaben können. Wer mit gutem Material ausgestattet ist, friert nicht! Der Himmel war klar. Im Rheintal hatte sich dichter Nebel ausgebreitet. Es waren fantastische Ausblicke, denn von Minuten zu Minute änderte sich das Bild der Wolken im Tal. Mit Sonnenaufgang schaute die Schönburg über Oberwesel aus dem Wolkenmeer heraus. Ein wahrlich traumhafter Anblick.

Zügig räumten wir unseren Lagerplatz. Bei einem Biwak im Wald versteht es sich von selbst, dass man keinen Müll zurücklässt und darauf achtet, dass man sich möglichst naturverträglich verhält, um die Tiere in ihrem Lebensraum nicht zu stören. Mit jeder Minute Sonne erwärmte sich auch langsam wieder die Temperatur, sodass wir die Jacken nach wenigen Gehminuten öffneten, um nicht zu stark zu schwitzen. Der Weg führte zunächst nach Kaub hinab. Plötzlich raschelte es laut im Gebüsch. Was war das? Rehe? Nein! Sekunden später kreuzte eine Herde von Wildschafen den Weg. Sogar ein echter Widder war dabei. So etwas hatten wir beide noch nie gesehen und hatten es auch hier nicht erwartet. Wie ich später im Internet nachlesen konnte, wurden hier vor einigen Jahren Kamerunschafe ausgewildert. In Kaub stand ein zweites Frühstück auf dem Programm, bevor uns der Weg auf die nächste Rheinsteig-Etappe in Richtung Sankt Goarshausen brachte. Dieser Abschnitt gilt als die Königsetappe, da immer wieder Täler zu durchqueren sind und dadurch ein großer Höhenunterschied zu überwinden ist.

Den ganzen Tag gab es wieder fantastische Ausblicke auf das Rheintal. Die Blattverfärbung der Laubbäume war bereits in vollem Gange und tauchte die Landschaft in unendliche viele Herbstfarben. Von Grün über Gelb und Braun waren alle Farbnuancen vertreten. Die Wege verliefen überraschend abwechslungsreich. Mal ging es durch den Wald, mal über weite Felder oder auf schmalen und steinigen Pfaden in schwindelerregender Höhe über dem Fluss entlang. Gegen Mittag tauchte der Loreleyfelsen auf, der sich bis zu einer Höhe von 132 Metern über den Rhein erhebt. Der Name stammt von einer Nixe, die hier früher ihr Unwesen trieb und die Schiffer mit ihrem langen goldenen Haar und ihrem Gesang in den Bann zog. Sie achteten mehr auf die Nixe, als auf den mit Felsen und Untiefen versetzten Flusslauf und erlitten so Schiffbruch. Wir konnten die Loreley erst auf der Rückfahrt unterhalb des Felsens am Rheinufer in Form eines Denkmals sehen.

Für Bilder des Loreleyfelsens eignet auf der rechtsrheinischen Seite der Spitznack (eine vorgelagerte Felsformation etwa 2 Kilometer vor der Loreley). Für die Wanderer auf der linksrheinischen Seite empfehle ich den Rheinburgen-Weg, der vor allem am Nachmittag zahlreiche Fotomöglichkeiten bietet. Über die Loreley und die Burg Katz stiegen wir nach Sankt Goarshausen ab und fuhren mit der Bahn zurück nach Lorsch.

Daniel und ich waren uns einig – es war ein wunderschönes Wanderwochenende, das wir im Jahr 2012 sicherlich wiederholen werden.

Vernebeltes Mittelrheintal im ersten Licht

Die Schönburg schaut aus den Wolken heraus

 

Der Nebel löst sich im Sonnenschein schnell auf

Wir werfen lange Schatten

 

Der Wasserdampf steigt aus dem Rhein auf

Diese Tiere gehören eigentlich nicht an den Rhein ;-)

 

Eine Rose am Wegesrand

Blick vom Spitznack auf den Loreleyfelsen

 
 

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