29.03.2011 – Von Ost nach West über die Anden

Der Wecker klingelte heute schon um 6.30 Uhr und bei Anbruch des Tages ging es bereits los. Zum Sonnenaufgang hatte ich die ersten 10 Kilometer in Richtung Hafen zurückgelegt (gut, dass das Rad mit brauchbarem Licht ausgestattet ist). Der Verkehr war zum Glück noch sehr ruhig und so war ich gegen 9.10 Uhr bereits in Puerto Panuelo, wo etwas später das Schiff in Richtung Westen zur Andenüberquerung ablegen sollte. Irgendetwas ist immer, hatte mir Christian beigebracht und dieses Sprichwort galt auch heute. Kurz nach der regulären Abfahrtszeit des Schiffes teilte eine Lautsprecherdurchsage mit, dass der Kapitän kurzfristig erkrankt sei und man jetzt um Ersatz suchen würde. Es klappte – der Kapitän kam um kurz vor elf und wenige Minuten später war das Schiff mit über 30 Minuten Verspätung auf dem See – diese Zeit sollte mir später noch fehlen (oder auch nicht!!!).

Die Fahrt mit dem Boot über den Lago Nahuel Huapi dauerte eine gute Stunde. Der Wind blies sehr kräftig und brachte erste Wolken aus Chile herbei – wie sah es auf der anderen Seite aus, fragte ich mich. Der Hafen von Puerto Blest bestand lediglich aus einem Hotel mit angegliedertem Restaurant. Die Transit-Passagiere für den Trip nach Chile mussten zuerst von Bord gehen. Das Gepäck wurde direkt bis zum nächsten See befördert. Die Strecke von lediglich drei Kilometern konnte man auf guter Piste in etwa 10 Minuten zurücklegen. Steigungen gab es noch nicht.

Da das Fotografieren ab und zu doch etwas aufhielt, erwartete man im nächsten Hafen bereits sehnsüchtig meine Ankunft. Kaum war das Rad verladen, ging es auch schon über den Lago Frias. Dieser See wird von den Gletschern des nahen Eisgipfels Tronador gespeist und begeisterte die Reisenden mit einer milchigen smaragdgründen Farbe (er führt viele Sedimente mit sich, die nicht sehr schnell zu Boden sinken und so für eine sehr trübe Färbung sorgen – kein Problem, denn das Wasser hat trotzdem beste Trinkwasserqualität). Der Tronador hatte heute für mich extra eine Tarnkappe aus dicken Wolken aufgesetzt. Wäre es anders zu erwarten gewesen? Auf der anderen Seite des Sees erfolgte die argentinische Grenzkontrolle und ein Pass mit kräftigen Steigungen in Richtung chilenischer Grenze.

Chile wartete heute einmal nicht mit Regenfällen. Ich wurde mit dem schönsten Wald empfangen, den ich in meinem ganzen Leben gesehen hatte. In Deutschland würde die Bezeichnung „Urwald“ wohl am besten passen. Alles war absolut naturbelassen und der Geruch und die Farben bezauberten mich. Auch wenn heute nicht die Sonne schien, dieser fabelhafte Wald gehörte zu den absoluten Höhepunkten meiner Reise (auch wenn ich das hier nicht erwartet hätte). Gerne wäre ich noch länger geblieben, aber das Schiff in Richtung Petrohue wartete nicht auf einen einzelnen Radfahrer. Doch ein Problem blieb: Immer wieder zwangen mich herrliche Einstellungen zum Halten und Fotografieren und so passierte es, dass das Schiff doch ohne Martin ;-) ablegte. Die Piste verschlechterte sich im weiteren Verlauf noch und noch während ich bei den offiziellen Einreiseformalitäten war, fuhr das Boot vom nur einen Kilometer entfernten Hafen ab. Was ein Pech – oder einfach nur Glück???

Kein Problem! Dank des überaus freundlichen Parkwächters Mario konnte ich im Garten der Nationalparkverwaltung kostenfrei zelten. DANKE!!!

Sonnenaufgang bei Bariloche am Lago Nahuel Huapi

Der Tronador wollte sich heute nicht zeigen

 

Bootsfahrt über den Lago Nahuel Huapi nach Puerto Blest

Selbstfotografie auf dem Lago Frias

 

Mein Weg war klar: Richtung Chile!

Peulla ist erreicht

 

Hinterlasse eine Antwort