Archiv für den Monat: Januar 2013

Slowakei 2012 Teil 8 – Traumhafte Herbstwanderung in der Hohen Tatra

Unsere Wanderwoche in der Hohen Tatra neigt sich dem Ende entgegen. Am letzten noch verbleibenden Tag beschließe ich, zusammen mit Hans das herrliche Herbstwetter zu nutzen und eine Jahresabschlusswanderung zu unternehmen. Wir wollen es heute noch mal richtig krachen lassen und wählen als Start- und Zielpunkt Starý Smokovec. Hans fährt mit der Zahnradbahn auf den Hrebeniok, während ich die Variante zu Fuß wähle.

Der erste Teil der Tour führt auf derselben Route wie letzten Sonntag zur Zamkovského-Hütte. Der einzige Unterschied zum letzten Mal ist das Wetter und die damit verbundene Zunahme an Wanderern. Es geht beinahe zu, wie in Frankfurt auf der Zeil. Jeder möchte heute den letzten Schönwettertag nutzen.

Ab der Zamkovského chata laufen wir auf dem grün markierten Weg in Richtung Téryho chata und folgen dem Studená-Tal. Kurz unterhalb der Hütte wartet ein steiler Anstieg. Karawanen von Wanderern ziehen heute hier hinauf und in den anstrengenden Passagen trennt sich die Spreu vom Weizen. Die schwächeren Leute müssen immer wieder rasten. Die Berghütte verfügt über keinen Materiallift und wir können Träger sehen, die mindestens 50 Kilogramm an Lebensmitteln und Getränken auf die Hütte tragen. Unglaublich!

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf, um den Höhepunkt der Tour in Angriff zu nehmen. Die gelbe Markierung führt hinauf zum Priečne-Sattel, der Schlüsselstelle der Wanderung. Auch hier sind heute wahre Völkerwanderungen unterwegs und auf den letzten Meter unterhalb des Passes staut sich der Verkehr an den mit Drahtseilen versicherten Passagen. Hans und ich umgehen diese Stelle leicht links versetzt mittels leichter Kletterei im 1. Schwierigkeitsgrad und können so ohne Probleme die Passhöhe erreichen und ca. 80 Personen hinter uns lassen. Der Abstieg vom Pass ist nur auf den ersten 20 Metern versichert. Danach läuft man zunächst Serpentinen folgend und weiter an romantischen Bergseen vorbei in Richtung Zbojnícka-Hütte im großen Studená-Tal. Immer wieder genießen wir das fantastische Gebirgspanorama.

Nach einer ausgiebigen Rast auf der Zbojnícka chata steigen wir auf der blauen Markierung bergab. Wir Gämsen springen wir von Stein zu Stein und kommen unglaublich schnell vor. Unsere Trittsicherheit zahlt sich hier wirklich aus. Nach einer guten Stunde erreichen wir wieder die Tatra-Magistrale, die uns zurück zum Hrebeniok bringt. Da die Zahnradbahn bereits den Betrieb eingestellt hat, müssen wir beide zum Auto zurücklaufen. Eine sehr erfolgreiche Wanderwoche in der Hohen Tatra endet mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Diesen schönen Tag werden wir so schnell nicht vergessen.

Für mich sind das die wahren Helden der Berge

Menschenmassen an der Schlüsselstelle

Kurz nach Überquerung des Passes

Traumtag in der Tatra

Die Zbojnícka chata (Hütte)

Im Gastraum der Hütte

Panorama zum Vergrößern bitte anklicken!

Panoramablick an der Téryho chata (Hütte)

Panoramablick im Abstieg vom Pass

Slowakei 2012 Teil 7 – Von der polnischen Grenze über den Tatrakamm zum Schlesierhaus

Nach dem gestrigen Tag fühle ich mich unendlich gut in Form. Meine Müdigkeit hält sich im Vergleich zu den anderen Teilnehmern doch in Grenzen und so entschließe ich mich heute, alleine in die Berge zu gehen. Mit der Tatrabahn kommt man zunächst nach Starý Smokovec und von dort mit dem Bus weiter an den slowakisch-polnischen Grenzübergang in Tatranská Javorina. Von hier wollte ich zum ersten Mal eine Überschreitung des Tatramassivs wagen. Für die herrliche Tour muss man je nach körperlicher Verfassung zwischen 7 und 8 Stunden einrechnen.

Zunächst folge ich der blauen Markierung auf breiten Forstwegen durch das Bielavodská-Tal. Es geht scheinbar unendlich weit in das Tal hinein und die Höhe der Gipfel nimmt ständig zu. Die Forststraße wird immer schmaler und geht mit der Zeit in einen schmalen Pfad über, der sich am Ende des breiten Tals durch steileres Gelände auf die nächste Höhenstufe zieht. Der Hauptkamm rückt langsam näher und die Nordseite der Gerlsdorfer Spitze (unserem gestrigen Ziel) liegt zum Greifen nahe. Ein herrlicher Bergsee verschönert den Ausblick durch das weite Tal bis tief nach Polen hinein. Bis zur Passhöhe ist es nicht mehr weit. Der Kammhöhe Poľsky hrebeň ist mit 2.200 Metern der höchste Punkt der Tour. In den schattigen Lagen unterhalb des Passes ist es heute so kalt, dass in einem kleinen Quellgebiet das nur schwach fließende Wasser gefroren ist. Höchste Vorsicht ist geboten, um nicht auszurutschen. Kurz unterhalb des Passes gilt es auf die grüne Markierung zu wechseln, da uns die blaue Markierung in ein Nachbartal führen würde.

Am frühen Nachmittag ist der Passübergang erreicht und der Aussichtsberg Východna Vysoká lädt noch zu einem kleinen Abstecher ein. Das Wetter ist einfach zu schön, um „Nein“ zu sagen. Der Umweg dauert etwa eine gute Stunde. Die traumhafte Aussicht bei dem schönen Herbstwetter entschädigt aber für die Mühen. Für den gelb markierten Aussichtsberg ist Trittsicherheit unbedingt erforderlich. Danach geht es nur noch bergab. Der grünen Markierung folgend laufe ich bis hinunter nach Tatranská Polianka, wo es wieder Anschluss an die Tatrabahn gibt. Eine Einkehr auf dem Schlesierhaus (Sliezsky dom) und ein damit verbundenes kühles Bier lasse ich mir nicht entgehen.

Blick ins Bielavodska dolina - ein sehr, sehr langes Tal

Traumhafte Ausblicke und nur selten trifft man auf andere Wanderer

Das stille Wasser ist heute schon gefroren

An solchen Tagen bin ich unendlich glücklich - auf dem Gipfel der Vychodná Vysoka (2.428 Meter)

Panorama zum Vergrößern bitte anklicken!

Blick auf den Poľsky hrebeň und die Vychodná Vysoka (2.428 Meter)

Panoramablick von der Vychodná Vysoka

Slowakei 2012 Teil 6 – Zum König der Karpaten

Auf den heutigen Tag haben die meisten Teilnehmer unserer Gruppe lange gewartet. Es soll auf die Gerlsdorfer Spitze (Gerlachovský štít) gehen. Mit 2.654 Metern über dem Meeresspiegel handelt es sich um den höchsten Berg der Hohen Tatra, der Slowakei und der gesamten Karpaten. Der Gipfel ist für Wanderer definitiv nicht geeignet. Es handelt sich um eine schwere Bergtour mit großen Höhenunterschieden, die ein übergroßes Maß an Orientierungssinn und sicheres Gehen auf ausgesetzen Wegen und freie Kletterei im 2 bis 3 Schwierigkeitsgrad verlangt.

Im letzten Dunkel der Nacht stellen wir gegen 6 Uhr unser Auto in Tatranská Polianka ab und steigen auf normalen Wanderwegen zum Batizovské See auf. Das Wetter zeigt sich von der schönsten Seite. Der Himmel ist wolkenlos und die Sicht reicht bis zu den Bergen der Niederen Tatra. Am See verlassen wir den markierten Weg und steigen nun über schmale Pfade und Blockwerk in Richtung Felswand auf.

Bereits vor 12 Jahren hatte ich den Gipfel schon einmal bestiegen und ich erinnerte mich daran, dass der Aufstieg in einer steilen Felsrinne erfolgen muss. Doch welche Rinne nehmen wir jetzt. Viele Rinnen laden zum Aufsteigen ein, aber die Verhältnisse sind einfach ohne Seilsicherung zu schwierig. Nach einer guten Stunde geben wir die Suche auf und entschließen uns für den Abstieg und genau in diesem Moment sehe ich in deutlicher Entfernung eine Gruppe Bergsteiger in einer anderen Rinne herunterkommen. Das muss sie sein, denke ich und wir laufen sofort zu dieser Stelle. Wir sprechen mit dem Bergführer und er sagt, dass wir hier richtig seien.

Wir überlegen, ob wir um 12.00 Uhr noch weiter aufsteigen sollen. Die Beratung dauert nicht lange. Es soll weiter bergauf gehen, und wenn bis 14.00 Uhr der Gipfel nicht erreicht ist, erfolgt umgehend der Abstieg, um nicht in die Nacht zu geraten. Die Orientierung ist äußerst schwierig. Das Gelände erfordert alles von uns ab. Wir suchen immer wieder Bohrhaken, die von den Bergführern zum Sichern ihrer Klienten genutzt werden und erklimmen so langsam aber sicher die Rinne. Kurz nach 14.00 Uhr haben es alle Teilnehmer (Hans, Manfred, Martin und Pedro) geschafft. Sie stehen auf dem höchsten Berg der Karpaten und genießen die fantastischen Ausblicke auf die Hohe Tatra.

Leider können wir uns nicht so lange auf dem Gipfel aufhalten, da die Zeit bereits zur Rückkehr mahnt. Mit voller Konzentration geht es langsam aber sicher wieder abwärts. Jeder von uns weiß, dass er sich keinen Fehler erlauben kann. Ein Absturz in diesem Gelände führt hier ohne Seilsicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schwerwiegenden Verletzungen oder sogar zum Tode. Pedro geht auch im Abstieg voran und findet jetzt sogar einfachere Wegabschnitte als im Aufstieg. Nochmals passieren wir eine mit Stahlstiften versicherte Stelle und hier passiert auch das einzige Missgeschick des Tages. Eine extrem tiefe Trittstufe und eine etwas außergewöhnliche Position lässt meine Trekkinghose komplett aufreisen – Totalschaden! Um 16.00 Uhr erreicht unsere Gruppe wieder die Felswand. Die gefährlichen Situationen sind alle gemeistert. Es geht zurück zum Batizovské pleso und weiter ins Tal. Der Weg zieht sich aber noch und erst gegen 18.30 Uhr erreichen wir nach 12 ½ Stunden und 1.650 Höhenmetern im allerletzten Tageslicht unser Auto.

Romantische Dämmerungserscheinung

Rast am Batizovské pleso mit Blick auf die Končista (2.537 Meter)

Wer findet den richtigen Aufstiegsweg?

Am höchsten Punkt - ein wunderbares Gefühl

Blick vom Gerlach in nordwestliche Richtung

Der Abstieg erfordert höchste Konzentration

 

 

Slowakei 2012 Teil 5 – Einsame Schluchten im Slowakischen Paradies

Da das Wetter auch heute nicht sehr beständig sein soll, fahren wir nochmals in das Slowakische Paradies. Hier gibt es einfach so viele Möglichkeiten, dass es immer wieder Spaß macht, eine andere Schlucht zu durchsteigen.

Für die heutige Tour wählen wir den Wanderparkplatz am Podlesok aus. Nach dem Zahlen einer geringen Nationalparkgebühr laufen wir zunächst über die blaue Markierung unterhalb des Waldes entlang und kommen an einem verfallen wirkenden Erholungszentrum vorbei. Oberhalb davon folgen wir dem „grünen“ Weg zur Bergwiese „Kláštorisko“. Eine Rast legen wir erst auf dem Rückweg ein. Von der Hütte wandern wir heute gleich weiter (auf blauer Markierung) über den Kamm und danach steil bergab ins Nachbartal. An der ersten Verzweigung im Tal haben wir die Qual der Wahl. Es gibt eine kleine aber imposante Runde auf „gelbem“ Weg zu einer Klamm und dem Obrovský-Wasserfall, die blaue Markierung führt weiter durch die Schlucht „Malý Kyseľ und ein grüner Weg beginnt hier und zieht sich durch die Schlucht „Veľký Kyseľ“.

Wir wollen heute alles auf eine Karte setzen und alle Schluchten durchqueren. Daher entscheiden wir uns aus taktischen Gründen zuerst für die große Kyseľ-Schlucht (grün). Dieser Teil des slowakischen Paradieses wird bei Weitem nicht so oft begangen, wie die Klassiker (Hornad Durchbruch, Schlucht Suchá bela etc.). Völlig alleine steigen wir durch das teilweise zugewachsene Bachbett bergauf und müssen etliche Bäume überstiegen oder darunter hindurch kriechen. Es macht einfach riesigen Spaß, die unberührte Natur in vollen Zügen genießen zu dürfen. Wie immer gibt es auch hier Leitern und Tritthilfen, um den Wegverlauf spannend zu gestalten und schwierige Abschnitte zu überbrücken. Mithilfe etliche Serpentinen verlassen wir die Schlucht und gelangen auf die Hochebene. Wie auch bei der letzten Tour folgen wir dem „gelben“ Pfad bis zum Glatzer Weg (blau) und biegen nach rechts zum Ausstieg der Sucha bela-Schlucht ab.

Jetzt möchten wir in die kleine „Kyseľ“-Schlucht absteigen. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass dies normalerweise nicht erlaubt ist, um an den kritischen und gefährlichen Passagen Gegenverkehr zu vermeiden. Jetzt im Herbst sind wir aber fast alleine unterwegs und entschließen uns für diesen kleinen Verstoß der Nationalparkregeln.

Über diese Schlucht (blaue Markierung) abzusteigen, macht Sinn, da es nicht viele schwierige Passagen gibt. Aber genau diese Passagen lassen uns heute kräftig schwitzen. Durch die Feuchtigkeit der vergangenen Tage hat sich auf den Holzbohlen und Holzleitern eine schmierige Schicht gebildet, die das bergab Laufen nahezu unmöglich macht. Teilweise krabbeln wir wie kleine Kinder auf allen Vieren vorsichtig abwärts, bis wir nach einer guten Stunde wieder die Wegverzweigung erreichen. Auch diese Schlucht verzaubert mit herrlichen engen Felspassagen das Herz eines jeden Wanderers.

Zum Schluss steigen wir noch auf der gelben Markierung durch eine enge Klamm. Es ist ein kleiner Rundweg, der teilweise direkt an Felsen mit Hilfe von Metallgittern durch die Engstelle führt und so wiederum ein atemberaubendes Erlebnis bietet. Die Zeit drängt bereits für den Aufstieg zur Kláštorisko-Hütte. Wir rasten noch kurz, bevor es zurück zum Auto geht. Im letzten Tageslicht lösen sich die Wolken auf und geben einen unvergesslichen Blick auf die Hohe Tatra frei.

Märchenwald

Ein äußerst schwieriger Ort, um zu überleben

Spektakulärer Aufstiegsweg

Durch diese enge Klamm geht es hindurch

Eindrucksvoller kann die Wegführung nicht sein

Gespenstische Szenerie - die Wolken lösen sich auf und der Blick auf die Hohe Tatra wird frei

 

 

Slowakei 2012 Teil 4 – Die Höhle von Tatranská Kotlina

Für einen Regentag empfiehlt sich der Besuch einer Höhle. Eine der Schönsten davon liegt am Ostrand der Tatra.

Die Höhle Belianska jaskyňa, die bei Goldgräbern bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt war, befindet sich in unmittelbarer Nähe von Tatranská Kotlina, im östlichen Teil des Naturreservats Belianske Tatry. Vom Parkplatz aus geht es zunächst gut 20 Minuten auf einem breiten Weg steil bergauf zum Eingangsbereich der Höhle. Ungeübte Wanderer dürften hier schon ins Schwitzen geraten. Im Rahmen einer Besichtigungstour gibt es pagodenartige Stalagmite und Sinterwasserfälle mit einer Höhe von über 50 m zu sehen. Ich kann diese Höhle mit ruhigem Gewissen weiterempfehlen.

Weitergehende Informationen und vor allem tagesaktuelle Öffnungszeiten sind über den folgenden Link verknüpft:

Link zur Höhle in deutscher Sprache

Die Tour führt an großen Seen mit riesigen Tropfsteinen vorbei

Riesige Innenräume bringen die Besucher zum Staunen

Es dauert lange, bis solche Tropfsteine entstehen

Der Fantasie wird freien Lauf gelassen - jeder erkennt etwas anderes

 

 

Slowakei 2012 Teil 3 – Kletterei auf die Lomnitzer Spitze

In der Hohen Tatra gibt es nicht nur Berge, die für normale Wanderer zugänglich sind. Einige Gipfel bleiben erfahrenen Bergsteigern und Kletterern vorbehalten. Darunter zählt auch die Lomnitzer Spitze (Lomnický štít – 2.634 Meter), die wir heute über die westliche Flanke bezwingen wollen. Die Aussicht von hier oben ist einfach überwältigend und mithilfe der Kabinenseilbahn kann auch der normale Tourist dieses Vergnügen genießen – vorausgesetzt die Seilbahn wird nicht gewartet, das Wetter ist stabil, der Wind bläst nicht zu stark und die Anzahl der Touristen lässt die Wartezeit nicht ins unendliche steigen!

Vom Tal aus wäre der Anstieg beträchtlich. Dank einer Kabinenbahn und eines Sessellifts besteht aber die Möglichkeit, insgesamt gute 1.200 Höhenmeter einzusparen. Vom Ausstieg des Lifts sind es nur wenige Meter zum Lomnitzer Sattel, der ein erstes Bergpanorama auf den westlichen Teil des Gebirges und das Studená-Tal freigibt.

Etwa 440 Höhenmeter Aufstieg stehen jetzt auf dem Programm. Die Schwierigkeiten im Aufstieg zur Lomnitzer Spitze bestehen in erster Linie in der Orientierung. Aber auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich. Es gibt keine markierten Wanderwege mehr. Der Bergsteiger muss sich auf sein Gefühl und seinen Orientierungssinn absolut verlassen können. Da ist es gut, dass zu unserer Gruppe Pedro (mein Vater) und sein langjähriger Bergkamerad Ludwig (85 Jahre alt!) gehören, die durch ihre Erfahrungen sofort den Weg finden und der Gruppe so einen sicheren Aufstieg gewährleisten.

Vom Sattel aus sind zunächst noch viele verschiedene Wegspuren zu erkennen, die sich weiter oben aber alle verlaufen. Über ein großes Schuttfeld mit eingelagerten Schrofen kommt die Gruppe gut voran. Nach ungefähr 30 Minuten erreichen wir eine sehr ausgesetzte Stelle, die mit einem Drahtseil versichert ist und Tiefblicke in das Studená-Tal freigibt. Zu allem Unglück ziehen jetzt auch noch Wolken in den Berg und versperren teilweise die Sicht. Wir queren die Westflanke der Lomnitzer Spitze über einen schmalen und kaum erkennbaren Pfad, der unter den Felswänden plötzlich endet. Mein Vater hat schnell den Einstieg zum Klettersteig gefunden und auch Ludwig befindet sich jetzt voll in seinem Element. Wie eine junge Gämse steigt er voran und fühlt sich in diesem Terrain sichtlich wohl. Mit Hilfe von Drahtseilen klettern wir in einer steilen Felsrinne bergauf und erreichen nach etwa einer guten halben Stunde den Gipfel.

Schwere Sturmböen machen uns allen zu schaffen und wir sind froh, dass es eine windgeschützte Stelle neben der Bergstation der Kabinenseilbahn gibt. Nach 10 Minuten passiert etwas Unerwartetes. Die Wolken reißen auf und geben fantastische Blicke auf die Hohe Tatra frei und wir, als einzige Gipfelbesteiger des heutigen Tages, können alleine die Aussicht genießen. Im Sonnenschein stiegen wir zum Sattel ab und fahren mit der Kabinenseilbahn wieder hinab nach Tatranská Lomnica. Meinen Respekt hat heute vor allem Ludwig verdient, der trotz seines hohen Alters von 85 Jahren diesen Berg ohne Probleme besteigen konnte.

Lomnitzer Spitze und Kesmarker Spitzer vom Skalnaté pleso

Hans im Aufstieg

Neben Drahtseilen kommen auch Stahlbügel als Aufstiegshilfe zum Einsatz

Die Gruppe in der steilen Rinne

Gipfelfoto mit Hans, Pedro, Manfred und Ludwig

Die Seilbahnstation am Gipfelplateau der Lomnitzer Spitze

Blick in das Herz der Hohen Tatra

Der Abstieg erfordert erneut große Aufmerksamkeit

 

 

Slowakei 2012 Teil 2 – Spaziergang in den Wolken

Während eines Urlaubs kommt es immer wieder vor, dass das Wetter nicht so gut ist. Mal regnet es oder in den Bergen hängen dicke Wolken, die die Sicht versperren. Trotzdem muss man an solchen Tagen nicht zu Hause bleiben, sondern kann die Natur erleben und interessante Stimmungen genießen.

Unsere Gruppe entschied sich an diesem wolkenverhangenen Tag für eine kleine Wanderung in der Hohen Tatra. Die Berge lagen zwar im dichten Wolkenmeer, doch von Starý Smokovec aus kann man bequem mit einer Zahnradbahn auf den Hrebeniok hinauffahren und innerhalb von einer guten Stunde auf breiten und steinigen Wegen die Berghütte Zamkovského chata erreichen. Der Höhenunterschied vom Hrebneniok aus beträgt lediglich 190 Höhenmeter, sodass diese Tour auch für den ungeübten Wanderer möglich ist. Auch die Orientierung ist sehr einfach. Rechts von der Zahnradbahn gelangt man an einen Wegweiser und braucht hier nur der roten Tatra-Magistralen folgen. Kurz vor der Hütte geht es nach links. Diese Verzweigung wird durch ein übergroßes Schild angezeigt.

Auf dem Rückweg empfiehlt sich ein Abstecher zur Rainerova chata. Es ist die kleinste Berghütte in der Hohen Tatra, die aber durch ihre liebevolle antike Innenausstattung jedem Wanderer noch lange in Erinnerung bleibt. Fünf Minuten vor dem Hrebeniok befindet sich die Bilíkova-Hütte. Hier empfehle ich, die gute slowakische Küche zu probieren. Es schmeckt einfach alles und die Preise sind überaus fair! Diese Hütte bietet sich auch perfekt für Mehrtageswanderungen in der Tatra an und bei gutem Wetter kann man direkt aus der Sauna das Bergpanorama bestaunen. Als Alternative zum Hinweg gelangt man an der Verzweigung „Starolesnianská poľana direkt am großen Bach über die blaue und grüne Markierung direkt zunächst zur Rainerova chata und später zur Bilíkova-Hütte.

Der Nebel hält sich hartnäckig

Das Wasser sucht sich im steinigen Bachbett seinen Weg

Mystische Stimmung im Wald

Die Zamkovského Hütte

Am Wegesrand findet man überall Herbstimpressionen

Rast in der Rainerova chata

 

 

Slowakei 2012 Teil 1 – Unberührte Natur im Slowakischen Paradies

Wenn man sich in der Nähe von Poprad / Slowakei aufhält, sollte man auch immer einen kleinen Abstecher ins Slowakische Paradies unternehmen. Hier kann man herrliche Wanderungen in unberührter Natur erleben. Je nach Wahl der Route ist es sogar möglich, nahezu völlig alleine über mehrere Stunden durch die herrlichen Wälder zu laufen.

Als Eingehtour für unsere Herbstwanderungen in der Slowakei entschloss ich mich für eine Schlucht, die nicht in der ersten Reihe liegt. Als Startpunkt diente dieses Mal der Wanderparkplatz am Čingov. Um zunächst zum Ausgangspunkt der Tour zu gelangen, ist es notwendig, der blauen Markierung in die Hornád-Schlucht zu folgen. Kurz hinter den Felsen der Tomášovský výhľad erreicht der Wanderer eine wichtige Verzweigung. Die blaue Markierung weist den Weg in den spektakulären Durchbruch des Hornads, der zu allen Jahreszeiten von vielen Wanderern besucht wird. Wir folgen aber heute dem Verlauf des Tales „Biely Potok“ und wechseln auf die grüne Markierung.

In dieser und der folgenden Schlucht treffen wir nur auf zwei weitere Personen. Eine gute Stunde laufen wir durch das Tal „Biely potok“, bevor wir zum Abzweig des Sokolia-Tals stoßen und von hier ab der gelben Markierung auf naturbelassenen Pfaden weiterlaufen. Es ist ein wundervolles Tal, völlig unberührt und nur selten begangen. Unseren Weg suchen wir uns teilweise selbst. Trotz Markierungen müssen wir des Öfteren umgefallene Bäume übersteigen oder einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um problematische Wegestellen zu umgehen. Über 100 Höhenmeter erklimmen wir im weiteren Verlauf mit Hilfe von Leitern und genießen die fantastischen Aussichten in das Slowakische Paradies. Die Blätter der Bäume verbreiten bereits eine herbstliche Stimmung. Am Ausgang des Tals laufen wir zunächst auf der grünen Markierung nach rechts, auf der gelben Markierung nach links und zweigen danach nochmals nach rechts auf die blaue Markierung ab. Kurze Zeit später treffen wir auf den Ausstieg aus der Schlucht Suchá Belá und befinden uns wieder in der Zivilisation. Zahlreiche Wanderer rasten hier. Wir gehen aber noch eine gute Stunde zur Berghütte Kláštorisko weiter und ruhen uns dort aus.

Von der Berghütte Kláštorisko laufen wir auf der blauen Markierung in 1 ½ Stunden zurück zu unserem Auto am Wanderparkplatz Čingov. Zunächst verläuft der Pfad auf dem Kamm entlang und bietet traumhafte Ausblicke in das Zipser Land. Recht steil steigen wir im weiteren Verlauf bergab bis zur Wegverzweigung am Ende des Hornaddurchbruchs. Auf dem Zustiegsweg geht es zurück zum Auto.

Für die Eingehtour brauchten wir etwa 7 Stunden.

Das felsige Aussichtsplateau "Tomašovský vyhľad"

Die herbstliche Stimmung ist überall zu spüren

Hohe Leitern geben dem Weg die richtige Würze

Ludwig und Pedro im Aufstieg

Ganz langsam fließt das Wasser talwärts

Und wieder muss eine Felswand mit Hilfe einer Leiter erklommen werden