Archiv für den Monat: September 2011

Schaschlik und russische Chansons

Schaschlik ist die Bezeichnung für einen gegrillten oder gebratenen, meist marinierten Fleischspieß. Er wird in vielen Ländern der ehemaligen Sowjetunion zubereitet und stammt wohl ursprünglich aus der Region um den Kaukasus. Es ist immer wieder schön, wenn eine Reise in die Ukraine mit dieser köstlichen Speise ausklingt, denn Schaschlik ist nicht einfach nur Schaschlik. In der Regel gibt es noch jede Menge Gemüse und andere Leckereien, die davor, dazu oder danach gegessen werden. Daraus lässt sich auch schon ableiten, dass dieses Mahl nicht innerhalb einer halben Stunde zu bewältigen ist. Nein, oftmals isst man über mehrere Stunden hinweg und von Zeit zu Zeit gibt es auch landestypische Destillate aus Getreide zu trinken. Damit ist Wodka gemeint, der im Normalfall aus Roggen hergestellt wird – nur dann schmeckt er auch so, wie Wodka schmecken soll.

Am Sonntag luden uns unsere beiden Bauunternehmer Valerij und Sascha zu einem netten Ausflug in die Nähe von Chernomorskaya Koza ein. Auf dem Grundstück von Nina verbrachten wir einen herrlichen Tag und genossen die mittlerweile nicht ganz so heiße Herbstsonne. Es gab viele gute Sachen zu essen. Gegrilltes Gemüse wurde verarbeitet und große Mengen Fleisch warteten auf unsere hungrigen Mägen.

Nach dem Essen holte Sascha eine Gitarre aus dem Auto und überraschte uns alle mit russischen Chansons. Das hätte ihm keiner zugetraut. Auch Valerij kann gut Gitarre spielen und singen. So wechselten sich beide ab und wir konnten ihren herrlichen Klängen lauschen. Mit unglaublich viel Gefühl brachten beide ihre Zuhörer zum Staunen. Vor allem das Lied über den “grünen Himmel mit seinen schönen Wolken” (ja, ich habe mich nicht verhört und alles richtig verstanden ;-)!) ist mir in Erinnerung geblieben.

Erst lange nach Einbruch der Dunkelheit endete unser Schaschlik und wir fuhren zurück nach Ochakov. Ein traumhafter Tag ging zu Ende, der allen Beteiligten noch sehr lange in Erinnerung bleiben dürfte.

 

 

 

Impressionen aus Ochakov

Ohne viele Worte zu verlieren, möchte ich an dieser Stelle ein paar Fotos aus Ochakov zeigen. Absichtlich sind hier keine Sehenswürdigkeiten zu sehen. Es sind alles Szenen, die mir interessant erschienen, als sie vor der Kamera auftauchten. Viel Spaß ;-)!

 

 

Hochzeiten in der Ukraine

Bei jedem Aufenthalt in der Ukraine komme ich an unzähligen Hochzeitsgesellschaften vorbei. Daraus ist zu schließen, das Heiraten in der Ukraine recht populär zu sein scheint. Zumindest gibt es immer herrlich dekorierte Autos aller Größen und Klassen und das Brautpaar posiert an den unmöglichsten Stellen, um dem Fotografen und den Gästen ein scheinbar traumhaftes Motiv zu bieten. Man soll es kaum glauben, aber an den beliebtesten Fotostellen muss man sogar Wartenummern ziehen, um an die Reihe zu kommen. In Nikolaev zählte ich im Juni an einer kleinen Kapelle sechs Brautpaare, die ihre Gäste in Bussen an- und abtransportierten.

Dieses Mal möchte ich ein paar Bilder von aktuellen Hochzeiten aus Ochakov zeigen. Den Eheleuten sei gewünscht, dass sie möglichst auch lange zusammenbleiben. Die Scheidungsrate scheint nämlich auch relativ hoch zu sein. Auf den Straßen begegnet man nämlich sehr vielen alleinerziehenden Mamas, die von ihren Männern verlassen wurden.

Wir geraten in eine Straßensperre - es wird Hochzeitszoll verlangt

Es wird zuerst ein Lied gespielt und danach...

... gibt es Medizin vom Onkel Doktor

Wohin möchte die schöne Trauzeugin wohl mit dem Koffer reisen?

Die Brautlimousinen warten schon

Die ersten Gäste versammeln sich für das Foto

Vor dem Standesamt ist immer etwas los

Für mich persönlich die schönste Brautlimousine - ein alter Wolga-Kombi

Ein absoluter Traumwagen!

Ein kleiner Nachtrag zu meinen beiden Hochzeiten auf Kuba: Meine Brautlimousinen waren bei der ersten Heirat ein Moskvich Modell 2141 (Baujahr 1988) und bei der zweiten Heirat ein Moskvich Modell 2140 (Baujahr 1979). Damit würde in der Ukraine heute wohl keiner mehr beim Standesamt vorfahren ;-).

Das war im Jahr 2004 meine Hochzeitslimousine - der Moskvich von meinem Freund und Trauzeugen Camilo (hier ein Archivbild)

Drei Waschmaschinen und jede Menge Kleider für die Kinder von Ochakov

Geplant war eigentlich anderes. Kurz entschlossen buchte ich dann aber doch noch mal ein verlängertes Wochenende in Ochakov, um dem Kindergarten und dem Schulinternat noch Waschmaschinen zu kaufen. Viele Leute kamen auf mich zu und fragten, warum die Maschinen in der Ukraine gekauft werden. In Deutschland wären diese doch ein paar Euro billiger. Die Antwort ist ganz einfach. Die Kosten für den Transport in die Ukraine und die Zollgebühren sind einfach zu hoch, sodass man die Käufe besser vor Ort tätigt. Außerdem kann unser Verein so auch noch die örtliche Wirtschaft unterstützen.

Der Geldumtausch in der Bank brachte die erste Überraschung. Zwei Scheine waren etwa fünf Millimeter eingerissen und die Bankmitarbeiterin weigerte sich hartnäckig, die Banknoten einzutauschen. Auch das Hinzurufen der Chefin brachte keinen Erfolg. Gott sei Dank hatte Lothar noch ein paar Scheine in Reserve einstecken und so konnten wir das Problem doch noch lösen. Mit einem riesigen Berg Geld (etwa 110 Scheine zu 100 Griwna und noch ein bisschen mehr) begaben wir uns in den Laden. Dort war ich froh, als wir das Bezahlen über die Bühne brachten und ich die Kassenquittungen von Geschäftsinhaber bekam.

Die Mitarbeiter des Elektrogeschäfts fuhren die Waschmaschinen danach zum Kindergarten und Schulinternat. Wir fuhren separat zu den jeweiligen Einrichtungen, da nicht genügend Platz im Auto war. Wir waren noch mit Koffern und Taschen voller Kinderkleidung beladen.

Nähere Informationen zu unseren Hilfsprojekten gibt es auf der Internetseite unseres Vereins (www.kinderherz-untermain.de) zu sehen. Ein paar Bilder von unserem Besuch gibt es aber trotzdem zu sehen.

Auch dieses Mal hatte ich wieder jede Menge Kleider für die Kinder dabei

Für kurze Zeit war ich reich - doch dann wurden die Waschmaschinen bezahlt

Der braune Lederkoffer war immer mit dabei (gefüllt mit Kleidern für die Kinder)

Schlüsselübergabe durch Bauunternehmer Sascha

Die beiden Waschmaschinen in der neuen Wäscherei

Gruppenfoto mit den Kleinen aus dem Kindergarten

Bauunternehmer Valerij auf der Schulbank

Die neue Waschmaschine für das Schulinternat

Die Kinder im Schulinternat freuen sich über die neuen Kleider

Gemütliches Beisammensein (Lothar, die Direktorin des Internats, die Bauunternehmer und die Ehefrau von Oleg)

 

 

Marktforschung in der Ukraine

Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen, sagte schon Goethe. Daher ist es auch meine Absicht, dass ich auf meinen Touren immer wieder neue Sachen kennenlerne. Auf meinem Stundenplan der letzten Ukraine-Reise stand dieses Mal auch ein ganz besonderes Thema – “Marktforschung”. Jetzt wird sich wahrscheinlich jeder Leser wundern, was ich damit meine. Ganz einfach! Es geht um eine Trend-Spirituose, die wir (das ist eine kleine Gruppe von Freunden und Kollegen) einfach einmal in der Ukraine testen wollten. Deutsche und Kubaner lieben dieses leckere und likörartige Getränk schon. Doch wie sieht es in der Ukraine aus?

Die Zutaten für den Geschmack brachte ich aus Deutschland mit. Den Alkohol besorgte Oleg in der Ukraine. Für die Tester gab es natürlich nur hochwertiges ukrainisches Destillat. In einem Kochtopf wurde der magische Trunk gemischt und danach unter die Leute gebracht. Das Ergebnis war nicht anders als erwartet. Auch die Ukrainer lieben diese feine Trend-Spirituose, die es vom 30. September 2011 bis zum 02. Oktober auch am Stand von Kinderherz Untermain e. V. auf dem Hattersheimer Oktoberfest gibt. Eine junge Ukrainerin forderte mich sogar dazu auf, dass ich nächstes Jahr auf jeden Fall größere Mengen (sie sprach von einem 5-Liter-Kanister) mitbringen soll. Mal sehen ;-).

Die Trend-Spirituose wird den Bedienungen des Lokals von mir persönlich serviert

Den jungen Damen schmeckt es

 

Jeder hat es auf dem Tisch stehen - die wohlschmeckende Trend-Spirituose

Auch Yulya und Olesa vom Kiosk erfreuten sich an unserem Getränk

 

29.07.- 31.07.2011 – Biwak-Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Es ist immer wieder schön, wenn man die Natur in vollen Zügen genießen kann. Als besonderes Erlebnis hierfür eignet sich eine Biwak-Wanderung mit einer oder mehrerer Übernachtungen im Wald. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz kann zu einer echten Herausforderung werden, und wenn der Platz endlich gefunden ist, macht das Zubereiten des Abendessens und der Ausklang des Tages bei immer wieder ungewöhnlichen Geräuschen von Tieren und Geäst einen besonderen Spaß.

In diesem Jahr führte uns (eine kleine Gruppe aus der Jugend des Rüsselsheimer Alpenvereins) die Biwaktour nach Rheinland-Pfalz. Von Freitagabend bis Sonntagmittag wollten wir auf dem Saar-Hunsrück-Steig von Hermeskeil nach Trier auf einer Strecke von insgesamt 50 Kilometern wandern.

Recht spät starteten wir in Hermeskeil. Die Nacht war bereits zum Greifen nah und so schafften wir am ersten Tag nur etwa eine Stunde des Weges in Richtung Trier. Dafür bereitete die Suche nach einem geeigneten Nachtlager keine Probleme. Beim Einbruch der Dunkelheit fanden wir eine schöne Stelle am Waldrand, die auch zum Abspannen von Hängematten jede Menge Möglichkeiten bot. Nach dem gemeinsamen Abendessen und dem Beobachten von Sternen und Satelliten legten wir uns gegen 23.00 Uhr schlafen.

Am zweiten Tagen mussten wir auf jeden Fall ein paar Kilometer mehr laufen, um unserem Endziel auch ein wenig näher zu kommen. Deswegen standen wir recht früh auf, frühstückten und machten uns auf den Weg. Es folgte ein ständiges Auf und Ab auf sehr abwechslungsreichen Wegen. Mal ging es durch Wälder oder über Wiesen und Felder. Ab und zu konnten wir auch die Fernsicht über den Hunsrück genießen – leider nur bei bewölktem Himmel. Am Stausee von Kell rasteten wir und füllten einige Reserven auf, bevor es wieder in den Wald ging. An einer herrlichen Lichtung ruhten wir uns auf moosweichem Untergrund nochmals aus und konnten auch die einzigen 5 Minuten bei Sonnenschein genießen. Über den Weyrichsbruch (ein Hochmoor) führte uns der Weg weiter zur Riveristalsperre. Hier war die nächste Übernachtung geplant. Das Gelände war jedoch sehr steil und eignete sich überhaupt nicht zum Biwakieren, sodass wir noch ein paar Kilometer weiter mussten. Irgendwann war es aber geschafft. Auf eine Hochebene und abseits der Wanderwege fanden wir eine geeignete Übernachtungsstelle.

Der Sonntag begann mit leichtem Nieselregen. Da Christian gestern Abend umgeknickt war und sich eine Bänderdehnung zugezogen hatte, stieg er mit Saskia am nächsten Ort aus. Cris und ich wanderten von jetzt ab alleine weiter. Der Weg hatte weiterhin Überraschungen zu bieten. Teilweise mussten wir uns zwischen mannshohen Pflanzen durch das Dickicht kämpfen. Gegen Mittag und nach einem kräftigen Aufstieg war die Sicht auf Trier endlich frei. Luftlinie etwa 4 Kilometer bis Trier, doch es wartete noch ein welliger Streckenabschnitt, der nochmals die letzten Kraftreserven forderte. Etwa 2 ½ Stunden später war das Amphitheater und somit auch die Innenstadt von Trier erreicht. Eine schöne Biwak-Wanderung neigte sich dem Ende entgegen. Christian und Saskia hatten bereits das Auto aus Hermeskeil nach Trier überführt und holten uns jetzt am Bahnhof ab.

Der Parkplatz in Hermeskeil - der Ausgangspunkt unserer Wanderung

Beim Zubereiten unseres ersten Abendessens

 

Cris und ich essen aus einem Topf

Rast an einem netten Aussichtspunkt

 

Ausruhen auf weichem Waldboden ist ein Hochgenuß

Der Eingang zum Weyrichsbruch (Hochmoor) ist erreicht

 

Unsere Hängematten für die zweite Übernachtung sind abgespannt

Cris und ich auf dem natürlichsten Abschnitt der Wanderung

 

Ein traumhafter Weg führt durch das Dickicht

Kurz vor Trier steht diese gewaltige Eiche