Archiv für den Monat: März 2011

20.03.2011 – Die Traumstraße entwickelt sich zur Alptraumstraße

Zum Wetter muss ich heute wieder etwas schreiben. Der absolute Tiefpunkt war wohl erreicht. Pünktlich zu meiner Abfahrt aus Puyuhuapi setzte heftiger Niederschlag ein, der von seiner Intensität ein noch nicht da gewesenes Maß erreichte. Zeitweise regnete es so stark, dass ich mein Regencape im Minutentakt vom Wasser leeren musste. Es dauerte nur wenige Minuten und alles war nass. So entschied ich mich, in La Junta nach 45 Kilometern anzuhalten und wieder ein Bett in einem Privathaus zu nehmen.

Landschaftsaufnahmen von der Strecke fehlen heute. Es lag einfach daran, dass die Wolkenuntergrenze nur wenige Meter über der Straße lag und so von der Natur überhaupt nichts sichtbar war außer Bindfäden aus Wasser.

Durch die anhaltende starke Feuchtigkeit wurden die Probleme mit der Fotokamera so groß, dass sie zeitweise gar nicht mehr funktionierte. Mittlerweile konnte ich aber wenigstens im manuellen Modus wieder die ersten Fotos machen. Den Abend wird das gute Stück wohl wieder in der Nähe des Ofens verbringen und an feuchten Tagen wird sie ab jetzt in eine Plastiktüte eingewickelt. Durch die Feuchtigkeit löste sich bereits auch der Ausdruck meines Flugtickets auf. Die Nässe kriecht hier einfach überall hin.

Egal wie das Wetter auch wird, morgen werde ich die letzten 70 Kilometer auf der Carretera Austral fahren, um dann nach Osten in Richtung Argentinien abzubiegen. Wettertechnisch kann es nicht schlimmer als heute kommen.

In Puyuhuapi

Das Ergebnis des gestrigen Sonnenuntergangs: Tiefe Wolken und einsetzender Regen

 

19.03.2011 – Ein steiler Pass und ein hängender Gletscher

Für den heutigen Tagesbericht werde ich einmal keine Kommentare zum Thema Wetter abgeben (es langweilt die Leser wahrscheinlich schon)!

Es klappte alles perfekt. Bereits um 7.00 Uhr war ich wach. Doch aufgrund einiger Umstände blieb ich noch ein paar Stunden im Bett liegen und verließ die Pension erst gegen 12.15 Uhr. Man musste ja nicht immer so früh losfahren. Eine späte Abfahrt hatte mittlerweile ja fast schon ihren besonderen Reiz.

Die Windstopper-Jacke blieb heute im Gepäck. Dafür zog ich gleich die dünne rote Jacke und die schwarze Überhose an. Es gab eben immer wieder Situationen, die eine solche Kleidung erforderten.

Neben den unzähligen fiesen und zermürbenden Zwischenanstiegen folgte am heutigen Tag der angeblich steilste Pass. Er war trotz schlimmster Erwartungen doch besser fahrbar, als ich dachte. Oben im Passbereich schwitze nicht nur meine Wenigkeit – nein auch der Himmel schwitzte in Strömen und dank der Ausdünstungen hüllte sich auch ein sehr schöner Gletscher in feuchten Dunst. Danach ging es über 13 Serpentinen bis an den Pazifik hinunter. Die Zwischenanstiege blieben mir dankenswerterweise bis zum Zielort erhalten.

Unterwegs kam noch ein Abzweig zu einem wirklich sehenswerten Naturschauspiel. Der „Ventisquero colgante“ oder auf Deutsch „der hängende Gletscher“ gab ein bedrohliches Bild ab. Er passte wirklich zur Landschaft, die in weiten Teilen sehr stark an ein Märchenland oder Fantasyfilm erinnerte. Es fehlten lediglich böse Drachen, die um die Ecke bogen, um mich zu erschrecken. Das Eis brach über einen Felsen in die Tiefe ab und zwei riesige Wasserfälle stürzten mit lautem Getöse ins Tal. Der Wanderweg führt durch dichten Regenwald und erinnerte eher an eine Dschungelexpedition – von den Temperaturen hatte es aber mit den Tropen wirklich nichts zu tun.

Danach ging es im Eiltempo nach Puyuhuapi, das ich erst in der Dunkelheit (21.30 Uhr) erreichte. An dieser Stelle einen großen Dank an das perfekte Licht meines treuen Fahrrads. Zu meinem Schrecken überfielen mich kurz vor dem Dorf noch zwei Hunde. Durch wildes Geschrei und übelster Schimpfwörter in spanischer Sprache konnte ich sie jedoch zum Teufel jagen.

Die Kirche von Villa Amengual

Bei schwitzendem Himmel wurde die Passhöhe erreicht

 

Sind das nicht riesige Rhabarberblätter?

Wasser kann man an den vielen Bächen auffüllen

 

Der hängende Gletscher

Was verspricht dieser Sonnenuntergang? Regen oder Sonnenschein?

 

18.03.2011 – Ich hasse dieses Wetter!

In einem bequemen Bett schläft es sich in der Regel auch besonders gut und genau dies traf heute auf mich zu. Als ich das erste Mal auf die Uhr schaute, war es bereits 9.00 Uhr. So ein Mist! Es sollte doch früh losgehen. Egal, da die Wolken wieder tief im Tal hingen, konnte man auch nichts verpassen.

Lucy aus dem Café bereitete mir ein tolles Frühstück zu und das erste Mal auf dieser Reise gab es Rührei. Erst gegen 11.00 Uhr brach ich auf. Der Wind wehte forsch aus nördlicher Richtung und nach etwa 10 Kilometern setzte Nieselregen ein. Von der Landschaft gab es auch heute beinahe nichts zu sehen. Zu allem Unglück meckerte auch die Kamera. Die Elektronik spielte mächtig verrückt. Es ist wohl auf die hartnäckige Feuchtigkeit zurückzuführen, die jeweils an den Regentagen in die Vordertasche kroch und so am Folgetag die Kamerafunktionen beeinträchtigte.

Besonders störend wirkte sich heute eine Baustelle aus. Auf 20 Kilometern soll die Straße asphaltiert werden. Ich fuhr auf so einem neuen Stück und bemerkte zu spät, wie frisch an einem Abschnitt der neue Belag war. Als Folge davon klebten später am Rad, an den Taschen und auch der Hose viele kleine Teer-Steinchen, die hässliche Ölflecke hinterließen. Irgendetwas ist ja immer! Ansonsten war das wellige Profil einigermaßen gut zu fahren und später folgte auch wieder ein Abschnitt auf befestigtem Untergrund. Kurz vor dem nächsten Ort überholten mich Oli und Sabine im Camper. Gemeinsam machten wir eine kleine Pause und Jerome und Frederike aus Frankreich kamen auch noch dazu.

Aufgrund der widrigen Verhältnisse (es setzte wieder Regen ein – wie soll es auch anders sein!) beschloss ich in Villa Aminguales zu bleiben und suchte mir eine kleine Unterkunft. Die Betten befanden sich auch heute wieder im Wohngebäude der Besitzer und dank meiner spanischen Sprachkenntnisse kam ich sehr schnell mit der gesamten Familie ins Gespräch.

???, da stimmt was nicht mit dem Verkehrsschild!

Baustellen behindern meinen Weg

 

Welch Glücksmomente - Felszacken ohne Wolken

Ein Wiedersehen mit den Campern und zwei französischen Radlern

 

17.03.2011 – Drei Feinde

Die ganze Nacht hatte es wieder geregnet (unglaublich!). Der Luftdruck war zwar seit gestern deutlich gestiegen, trotzdem schien die Sonne nicht. Der deutsche Spruch „auf schlechtes Wetter folgt gutes Wetter“ funktionierte in Chile bisher nur mit Einschränkungen. Aktuell passte wohl besser, das auf schlechtes Wetter meist noch schlechteres Wetter folgt. So wirkte es zumindest auf mich.

Gegen 11.00 Uhr verließ ich das Hostel und verabschiedete mich von Nina (die allein reisende Radlerin), Sabine und Oliver (die Camper). Es ging in die Stadt, wo ich mich noch etwas mit Christian und Reinhold unterhielt. Punkt 12 radelte ich in Richtung Norden los. Der erste Anstieg hinter Coyhaique verlief problemlos im herrlichsten Sonnenschein. Die Straße führte jetzt aber durch ein Flusstal und dort hingen dicke Regenwolken drinnen. Auf gut Deutsch bedeutete das für mich, etwa 50 Kilometer im kräftigen Regen zu radeln. Erst danach ließ es zögerlich nach. Auf dem Asphalt kam ich trotzdem gut voran und erreichte gegen 19.00 Uhr Manihuales. In einer Seitenstraße wartete bereits ein schönes Einzelzimmer mit heißer Dusche auf mich.

Kurze Zeit kam mir vor dem Haus Carlos aus Spanien entgegen. Er war im „Haus des Radfahrers“ abgestiegen. Jorge, ein netter Chilene, stellte hier einen großen Raum für Radfahrer auf Durchreise zur Verfügung. Hier kann man Schlafen, Kochen, Duschen, Reparaturen durchführen oder sich einfach mit gleich gesinnten unterhalten (sogar WIFI-Internet gab es). Es war eine Überraschung für mich, als ich Jan und Gregory sah, die hier einen Tag Pause einlegten. Natali, die Kolumbianerin, brach übrigens bereits gestern in Richtung Norden auf. Sie kaufte sich in Ushuaia für 100,- € ein Fahrrad und fährt jetzt damit in Richtung Kolumbien (Wahnsinn, oder?).

Momentan habe ich täglich mit drei Feinden zu kämpfen, die nicht immer in gleicher Intensität präsent sind – aber ganz in Ruhe lassen sie mich auch nicht – manchmal nerven sie so richtig. Es ist der Regen, der Wind und neu hinzugekommen auch der Rückflugtermin. Er klopfte in den letzten Tagen immer wieder auf meine Schulter und erinnerte mich, dass es nicht mehr lange bis zum 07. April ist. Mal sehen, ob die nächsten Tage mit neuen Feinden warten. Die „schlechte“ Piste ist momentan ja auf Urlaub und könnte in den nächsten Tagen auf jeden Fall zurückkommen. Auch mit weiteren „steilen“ Anstiegen und Pässen ist zu rechnen, die das Radfahrerleben schwer machen.

Nina, Oli und Sabine - Verabschiedung am Camper

Coyhaique aus der Ferne

Bei Sonnenschein würde ich nicht so ernst schauen

Bis Santiago schaffe ich es definitiv nicht mehr

 

16.03.2011 – Pause in Coyhaique

Um ein paar Sachen zu organisieren, wollte ich heute einen Tag Pause einlegen. Dies war auf jeden Fall eine sehr gute Idee, denn bis kurz nach 14.00 Uhr regnete es ohne Unterbrechung durch. Die Zeit am Vormittag wurde ausgiebig zum Bearbeiten der Internetseite genutzt. Nachmittags ging es in die Stadt, um Christian zu treffen. Er saß in einem Café mit Internetzugang und schrieb seinen Reisebericht. Wir beide ließen uns einen köstlichen Kakao und den wohlschmeckenden selbst gebackenen Kuchen schmecken.

Am späten Nachmittag gingen wir zusammen zur Reederei, um nach Fährmöglichkeiten von El Chaiten zu fragen. Die Auskünfte waren allerdings nicht sehr befriedigend. Die Fähre fährt im März nur am Montag und Samstag – Problem für mich: Montag ist mir zu früh und bis Samstag will ich nicht warten. Für Motorräder war übrigens bis einschließlich 21. März bereits alles ausgebucht. Demzufolge bleibt nur die Möglichkeit über Futulafeu und Argentinien in die chilenische Schweiz (nördlich von Puerto Montt) zu gelangen. Es soll wenigstens ein landschaftlich reizvoller Umweg sein und auf der anderen Seite der Kordilleren ist auch das Wetter besser.

Danach trennten wir uns. Ich machte mich auf zum Fahrradladen. Da meine Kette bereits bedrohlich durchhing, sollte der Mechaniker mal nach dem Rechten schauen und vielleicht ein Kettenglied herausnehmen. Fachmännisch wurde die Situation geprüft und ein Teil der Kette entfernt. Jetzt war sie wieder richtig gespannt und ich trug mich noch in das Gästebuch ein. Am 22. Februar war auch Holger hier, dem eine neue Bremse angebaut wurde. Gegen Abend wurden noch die Lebensmittel für die nächsten Tage eingekauft und zusammen mit Reinhold ging es zum Essen. Wir trafen eine richtig gute Wahl, denn das Fleisch war wunderbar zart und die Soße schmeckte vorzüglich. Auch die Nachspeise (Kastanien mit Creme) mundete ganz vorzüglich. Abends unterhielt ich mich noch lange mit Nina. Sie ist Lehrerin aus Wuppertal und momentan in einem Sabbatjahr. Mit dem Fahrrad fährt sie alleine durch Südamerika und liebt Peru. Ihre Reise möchte sie bis Juli fortsetzen und soll möglichst in Kolumbien enden.

Coyhaique, die größte Stadt in der Region

Die Hauptverkehrsstraße von Coyhaique

 

15.03.2011 – Einer ärgert dich immer

Das Wetter hatte sich über Nacht deutlich gebessert. Morgens konnte man die Berge sehen. Also nichts wie raus aus dem Bett. Seit Tagen konnte ich endlich mal wieder mit warmem Wasser duschen. Zuerst besichtigte ich die Felsmalereien der Tehuelche-Indianer, die schon viele Tausend Jahre alt sein sollen. Da der Eingang verschlossen war, musste ich über einen Zaun klettern.

Durch die Besichtigung kam ich auch erst gegen 11.00 Uhr aus dem Ort heraus und es warteten erneut gute 100 Kilometer. Als Bonus standen die beiden höchsten Pässe der Carretera Austral auf dem Programm. Dank befestigter Straße und nur mäßigen Steigungen verlief alles unproblematisch. Bei den letzten Kilometern war aber wieder einer meiner Feinde präsent. Der Regen hatte sich zwar heute freigenommen. Dafür kam der Wind zurück, der mit Stärke 6 voll ins Gesicht blies. Was wollte man machen. Irgendetwas ist ja immer und so wurde mit Mühe und Härte auch dieses Problem aus der Welt gestrampelt. Gegen 19.30 Uhr hatte ich das Hostel erreicht und Reinhold wartete bereits auf mich. Nach der zweiten heißen Dusche an diesem Tag gingen wir beide in die Stadt, um noch etwas zu essen.

Jahrtausendealte Malereien der Tehuelche-Indianer

Oliver und Sabine sind seit 2 1/2 Jahren mit dem Camper unterwegs

 

Blick auf die Serpentinen und das Tal des Rio Ibanez

Blick in die Weite in Richtung Argentinien

 

14.03.2011 – Wieder Regen

Der Tag begann für mich später als geplant, da der Regen wieder mit mir war und es erst gegen 9.30 Uhr langsam aufhörte. Eiligst wurden die Sachen zusammengepackt und die Abfahrt vorbereitet. Bis die Unterkunft bezahlt war, wurde es doch wieder kurz vor 11.00 Uhr. Die Mutter des Vermieters fand mich so nett, dass sie mir noch eine Packung Kekse als Stärkung für die nächste Etappe schenkte.

Zunächst führte die Route durch das schönste Tal der Carretera (leider ohne Aussicht). Es war relativ flach und es ging gut voran. Während einer Rast lernte ich chilenische Motorradfahrer kennen. Einer von ihnen hat sogar Verwandtschaft in Frankfurt am Main und fuhr selbst schon mit dem Fahrrad von Regensburg nach Wien.

Im Aufstieg kam wieder alles wie erwartet. Sechs mächtige und steile Rampen erwarteten mich und zudem setzte Regen ein. Es war wieder ein Fall für das Regencape – ich schwitzte und schwitzte und schwitzte. Der weitere Streckenverlauf war eher flach mit leichtem Gefälle und auf guter Piste fast perfekt zu fahren. Gegen Nachmittag holten mich auch Christian und Reinhold von hinten ein (… und man trifft sich immer wieder!) und wir verabredeten uns für Coyhaique – der nächste größere Ort auf der Strecke.

Im letzten Licht des Tages erreichte ich Villa Cerro Castillo. Am Campingplatz sollte es auch eine Hütte mit günstigen Schlafplätzen geben. Die Hütte fand ich und sprach auch mit dem Vermieter. Mein Fehler war allerdings, dass er mir den Schlafplatz nicht gleich zeigte. Als ich in völliger Dunkelheit vom Essen zurückkam, wurde klar, dass ich auf dem falschen Platz war und es hier gar keine Unterkünfte gab. Kein Problem, binnen Minuten besorgte mir der Hausherr mittels Funkgerät einen anderen Schlafplatz bei seinem Onkel im Dorf.

Heute waren mehrere Oldtimer auf der Carretera unterwegs

Zwei Motorradfahrer aus Chile unterhalten sich mit mir

 

Tiefhängende Wolken und Regen im Tal des Rio Ibanez

Ein Gaucho bei der Arbeit

 

13.03.2011 – Die Marmorkathedralen von Puerto Rio Tranquilo

Über Nacht war zwar viel Tau gefallen, die Wolken sahen am Morgen aber bereits so aus, als wollten sie so schnell wie möglich wieder Regen über mir ausgießen. Da man sich in Patagonien danach aber nicht immer richten kann, verzogen sich die hässlichen Wolkengebilde und die Sonne zeigte sich. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Über sehr welliges Streckenprofil ging es die nächsten 25 Kilometer in Richtung Puerto Rio Tranquilo. Bereits weit vor der Ortseinfahrt zeigte ein Schild, dass es steil bergab zu der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit am See ging – den Marmor-Kathedralen. Die Abfahrt war so steil, dass die Bremsen ganze Arbeit leisten mussten und ich mich zudem noch mit einem Bein abstützte. Unten angekommen galt es auf den Führer zu warten. Er war gerade mit einer anderen Gruppe an den Marmorgebilden. Mit einem Motorboot fuhren wir danach am Ufer entlang zu zwei Steinformationen. Sie bestehen aus Marmor und wurden über Jahrtausende vom Wasser des Sees ausgespült, sodass herrliche Formationen entstanden. Da wir mit einem kleinen Boot unterwegs waren, konnten wir sogar durch ein paar dieser Höhlen direkt hindurch fahren.

Nach einer Stärkung in Puerto Rio Tranquilo machte ich mich auf den Weiterweg in das nächste Dorf. Ich traf auf ein Radfahrerpaar aus Kanada, das von Alaska nach Feuerland unterwegs war. Sie erzählten mir von allen anderen Radfahrern. Jan fuhr jetzt mit Gregory aus Frankreich und war einen Tag voraus (sie waren auch während des Dauerregens weitergefahren). Das kolumbianische Mädchen, das von Ushuaia aus alleine unterwegs war, sollte zwei Tage vorausfahren (alle Radler, die entgegenkamen erzählten von hier – vielleicht kann ich sie ja auch noch kennenlernen;-) – zumindest fährt sie wie ich zunächst bis Puerto Montt). Im weiteren Verlauf begegnete ich noch zwei jungen Französinnen mit richtig schlechtem Material. Sie waren nur mit Rücksäcken unterwegs und eine band diesen an einem eher schwach aussehenden Gepäckträger fest. Die andere hatte ihren Expander verloren und trug alles Gepäck auf dem Rücken. Die beiden taten mir richtig Leid. Es war nicht mehr weit bis Bahia Murta, wo ich für schmales Geld in einer richtig schäbigen Hütte unterkam. Lustigstes Erlebnis des Tages: Im Restaurant wurde mir ohne zu fragen einfach etwas zubereitet. Glücklicherweise traf es meinen Geschmack.

Mittlerweile hatte wieder Regen eingesetzt. Morgen will ich eigentlich 100 Kilometer bis Villa Cerro Castillo fahren. Das wird wohl schwer zu schaffen, wenn sich das Wetter nicht ändert.

Herrliche Aussichten (auf den See und das Wetter spielt mal mit)

Unter diesen Felsen verstecken sich die Marmorkathedralen

 

Die ausgespülten Marmorformationen

- ohne Worte -

 

Bei Puerto Rio Tranquilo

Torrey und Lucie aus Kanada fahren von Alaska nach Ushuaia

 

12.03.2011 – Im ständigen Auf und Ab an den Lago General Carrera

Das Wetter sah heute endlich etwas besser aus. Es gab zwar viele Wolken, dennoch war die Hoffnung noch nicht verloren, dass sich auch die Sonne für ein paar Momente zeigen könnte. Bereits im Ort führte mich der Weg das erste Mal bergauf und es sollte heute auch nicht das letzte Mal sein. Hinter Cochrane musste ich einen Höhenrücken erklimmen und danach über einen Höhenzug in Richtung Westen fahren. Während ich steile Rampen hinaufstrampelte, floss unten der Rio Baker wild und tosend durch sein enges Bett. Eine steile Abfahrt zur Überquerung des Rio Chacabuco und einen ebensolchen Anstieg ließen die Kraftreserve so langsam schwinden. Auf der miserablen Piste folgte auf den weiteren etwa 20 Kilometern wieder ein sehr welliges Profil.

Beim Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Nef fiel mir auf, dass sich der wasserreichste Fluss Chiles hier in seiner Farbe änderte. Der Rio Nef brachte trübes graues Gletscherwasser mit vielen Sedimenten mit und drückte dem Rio Baker seine Wasserfarbe auf. Im oberen Flusslauf des Baker glänzte dieser mit einer türkisblauen Farbe, wie ich es bisher selten in meinem Leben gesehen habe. Vor allem bei Sonnenschein kam die Farbe voll zur Geltung und begeisterte mich. Die touristische Infrastruktur verbesserte sich in dieser Gegend. Immer mal wieder gab es Campingplätze oder feste Unterkünfte am Wegesrand. Mit Puerto Bertrand folgte sogar noch ein Dorf. Die Jugendlichen machten sich hier ein Spaß daraus, über einen Steg in den eiskalten See zu springen. Man sagte mir, dass das Wasser doch lauwarm sei. Geschmacksache!

Über einen kräftigen Anstieg verließ ich das Dorf, um weiter an den größten chilenischen See Lago General Carrera zu radeln. Ihn hatte ich gegen Abend erreicht und an einer geschützten Stelle baute ich das Zelt auf. Viele hungrige Mosquitos ließen mich gleich in das Zelt verschwinden. Interessante fischförmige Wolken kündigten wohl wieder einen Wetterwechsel an.

Wohin das Auge reicht - die Bevölkerung will keine Stromkraftwerke

Ist das ein Blau?

 

Die verrückte Jugend in Puerto Bertrand

An der Westseite des Lago General Carrera

 

Ein Traumpanorama an der Carretera Austral

Ein Abend im Zelt

 

11.03.2011 – Im Trainingslager

Auch heute verhießen die Wolken nicht unbedingt den Traumtag. Trotzdem musste es weitergehen. Die Carretera Austral forderte seine radfahrenden Gäste jeden Tag zu neuen Herausforderungen auf. Die Anstiege wurden mehr und höher und auch die Piste entwickelte sich abschnittsweise zu einem miserablen Feldweg. Als Entschädigung dafür konnte man die traumhaften Panoramen (sofern man sie wegen des Wetters zu sehen bekommt) und die noch unberührte Natur genießen.

Heute sollte es nur nach Cochrane gehen – die erste größere Stadt mit etwa 3.000 Einwohnern. Gleich zum Eingewöhnen wartete ein Pass mit 330 Metern Höhenunterschied auf mich. Da die Steigungen im Rahmen blieben, konnte ich ihn gut bewältigen. Der weitere Straßenverlauf war äußerst wellig (hoch und runter) und dazu kamen noch jede Menge Schlaglöcher und Wellblechpiste (Rippen in der Straße, die sofort hintereinander folgen und das Rad massiv schütteln). Gegen Mittag kamen mir sogar noch zwei Radler aus den USA entgegen. Wenig später war Cochrane erreicht. Ein eher trostloser Ort in traumhafter Natur. Ich entschied mich hier zu bleiben und erst morgen weiter zu fahren. Im Fernsehen wurde ununterbrochen vom Erdbeben in Japan berichtet und Chile bereitete sich zielstrebig auf die Ankunft des Tsunamis vor und evakuierte die gesamte Küstenregion.

An der Laguna Esmeralda

Cochrane - die Kleinmetropole an der Carretera Austral