Archiv für den Monat: Februar 2011

16.02.2011 – …und der Alptraum geht weiter!

Nach einer ruhigen Nacht machten wir uns bereits gegen 8.00 Uhr auf die Strecke. Wer hätte es gedacht. Pünktlich zur Abfahrt setzte auch der Wind wieder ein und nahm mit der Zeit an Stärke zu. Nur langsam kamen wir voran und erreichten nach etwa 27 Kilometern und etwas mehr als 2 Stunden den ersten Ort zwischen Punta Arenas und Puerto Natales. Wir stärkten uns mit heißer Schokolade und einem für Chile typischen Sandwich.

Zur nächsten Einkehrmöglichkeit fehlten 40 Kilometer, die es auch heute wieder in sich hatten. Ein sehr welliges Profil und (jeden Tag das selbe) auflebender Wind machten uns erneut zu schaffen. Auch heute waren wieder Reiseradler in umgekehrter Richtung unterwegs. Wir trafen auf Hendryk aus Litauen und ein junges Pärchen aus Aachen, mit denen wir uns länger unterhielten und wichtige Informationen austauschten. Für Michael wurde die Etappe zur Hölle. Sein Knöchel begann zu schmerzen und mit jedem Kilometer wurde es schlimmer. So entschied er sich, bei Morro Chico auf den Bus umzusteigen. Nach einer kleinen Stärkung in der Bar mit den sympathischsten Leuten in Chile machte ich mich alleine auf, um den nächsten Haltepunkt in 45 Kilometern Entfernung zu erreichen. Der Wind war nicht auf meiner Seite und so waren die ersten 35 Kilometer wieder ein Höllenritt, der unmenschliche Anstrengungen abverlangte. Auf halber Strecke passierte mich ein großer Wagen, aus dem Michael freundlich zuwinkte. Er hatte also eine Transportmöglichkeit nach Puerto Natales gefunden.

Die schneebedeckten und steil aufragenden Berge kamen immer näher und gegen 20.10 Uhr hatte ich nach guten 113 Kilometern meine Übernachtungsstelle (ein nettes Hotel mit großem Zimmer – dort konnte ich das Zelt trocknen!) erreicht.

Nandus am Straßenrand

Ein typisches Wartehäuschen

 

Martin kämpft gegen den Wind

Jetzt haben wir auch Alpacas gesehen

 

Die netten Wirtsleute der Cafeteria "Morro Chico"

Obligatorische Schneekettenpflicht - ein Witz oder Ernst?

 

15.02.2011 – Die Grenze der Fahrbarkeit ist erreicht

Als wir heute früh starten wollten, fing es an zu regnen. Es war zum Glück nur ein längerer Regenschauer und so ging es gegen 9.30 Uhr in Richtung Puerto Natales los. Da es nicht klar war, ob es auf der Strecke Unterkunftsmöglichkeiten gibt, deckten wir uns im Supermarkt mit ausreichender Verpflegung und Getränken ein. Leider hatte der Wind wieder sehr stark zugenommen. Bereits in der Stadt gab es die ersten Probleme mit Böen, die mit jeder Minute an Intensität zunahmen. Mal kam der Wind schräg von vorne, mal zur Abwechslung voll von der Seite. Das Fahrradtachometer zeigte nur noch in Ausnahmefällen 10 Kilometer pro Stunde an. Im Tagesverlauf wurde der Wind so stark, dass er uns zeitweise regelrecht von der Straße in den Seitenstreifen wehte. Einige Passagen von mehreren Kilometern legten wir aus Sicherheitsgründen schiebend zurück. Man kann diese Art von Wind einfach nicht beschreiben – man muss ihn erlebt haben! Es ist wie ein Sturm, der einfach nicht aufhören will – und er bläst ohne Unterbrechung!

Von mehreren Leuten wurde uns erzählt, dass an der Straßenkreuzung bei Kilometer 50 eine Cafeteria und eine Tankstelle existieren sollte. Weit gefehlt! Die Tankstelle gab es zwar. Vom Stil erinnerte sie eher an einen schlechten Westernfilm der 60er Jahre. Die Cafeteria war seit Jahren geschlossen und ein recht unfreundlicher Mensch rief seine Hunde nicht zurück, sodass wir uns in ein nahes Wartehäuschen verzogen, um dort zu rasten. Die Devise hieß also Weiterfahren. Ob das Radfahren bei Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde (das ist nicht übertrieben und wurde uns von mehreren unabhängigen Personen bestätigt) sinnvoll ist, steht in den Sternen. Zum Verweilen gab es für uns aber keinen Platz. Am Abend errichteten wir das erste Zeltlager an einem geschützten Platz etwas abseits der Hauptstraße. Als das Zelt stand, ließ der Wind nach. Er blies auch die ganze Nacht nicht.

Durchschnittsgeschwindigkeit auf 77 Kilometern – 10,4 Kilometer pro Stunde (unglaublich, oder?)

Bitte nicht vergessen: Die Kinder von Ochakiv benötigen Ihre Unterstützung!!! Für die Benefizradtour über Ostern nach Berlin sind noch Etappenpatenschaften zu vergeben.

Michael kämpft gegen den Wind

Stürmische Rast am Straßenrand

 

Zeltlage bei Straßenkilometer 74

"Das letzte Abendmahl"...

 

14.02.2011 – Zu Besuch bei den Pinguinen

Erst am späten Vormittag ließ der Regen nach – der Sturm blieb und so konnten wir den ganzen Tag Böen bis 100 Kilometer pro Stunde genießen. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung stand eine Überprüfung der Fahrräder auf dem Programm. Auf den ersten Blick schienen sie die Schotterstrecken gut überstanden zu haben. Einige Schrauben wurden angezogen und die Kette geölt.

Nachmittags fuhren wir mit einem Sammeltaxi an den Fährhafen, um einen Ausflug auf die Insel Magdalena zu unternehmen. Hier leben von September bis März etwa 65.000 Pinguin-Pärchen, die man aus allernächster Nähe fotografieren kann. Sie sind etwa 40 Zentimeter groß und beglückten die Besucher mit lautem Geschrei und lustigen Posen. Während des südamerikanischen Winters machen sie sich auf, um über Argentinien und Uruguay an die südbrasilianische Küste zu schwimmen. Für uns waren es bewegende Augenblicke, denn so nahe kommt man nur selten an die süßen Vögel heran.

Auf dem Plaza de Armas in Punta Arenas

Am Fährhafen von Punta Arenas

 

Großes Geschrei bei unserer Ankunft

Michael mit seinem Lieblingspinguin

 

Drei Freunde

Die Pinguinkolonie im Ostteil der Isla Magdalena

 

13.02.2011 – Von kroatischen Migranten und israelischen Fleischkontrolleuren

Den heutigen Tag verbrachten wir in dem kleinen Städtchen Porvenir. Es wurde ursprünglich von britischen Einwanderern gegründet. Im weiteren Verlauf kamen viele Kroaten, die man auch heute noch an ihren typischen Namen erkennt. Vornamen wie Radoslav, Dragan und Nachnamen mit der klassischen -ić-Endung sind auch heute im südlichen Chile weitverbreitet. Bei der Dorfbesichtigung fielen uns vor allem dem Denkmäler auf, die an die Einwanderung der ehemaligen südslawischen Leute erinnert. Am Hotel trafen wir sogar auf kroatische Touristen.

Am Tag zuvor beobachteten wir im Restaurant seltsam gekleidete Menschen mit großen Pelzmützen. Die Erklärung hierfür lieferte unser Zimmervermieter. Die Schafzucht von Porvenir liefert das Fleisch seit letztem Jahr exklusiv an ultraorthodoxe Juden in Israel. Um die koscheren Schlachtmethoden genauestens zu überwachen, reisen einige von ihnen regelmäßig in diesen kleinen Ort am Ende der Welt.

Am Nachmittag bepackten wir die Räder und fuhren zum 5 Kilometer vor dem Dorf liegenden Hafen Bahia Chilota. Mit der Fähre setzten wir über die Magellan-Straße über nach Punta Arenas. Auf dem Schiff lernten wir noch 4 Motorradfahrer (zwei aus Deutschland und zwei aus Kroatien kennen), die unsere Radfahr-Leistung bewunderten. Noch bevor wir eine Unterkunft fanden, begann es erneut in Strömen zu regnen. Glücklicherweise fanden wir sehr schnell eine Übernachtungsmöglichkeit im Zentrum von Punta Arenas.

Blick aus dem Fenster unseres Zimmers

Der Obelisk von Porvenir

 

Hier gibt es sogar einen kroatischen Klub

Ein Radler und vier Biker (jeweils zwei aus Deutschland und Kroatien)

 

12.02.2011 – Volle Kraft voraus!!!

In den frühen Morgenstunden konnte man bereits wieder das Heulen des Windes hören. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen war, konnte ich zunächst noch nicht einschätzen. Als wir beim Frühstück saßen, fiel uns aber auf, dass die chilenische Fahne der Zollstation in Richtung Westen wehte. Ostwind! Genau unsere Richtung! Zum nächsten Ort fehlten genau 142 Kilometer und das war bei der üblichen Westwindlage eigentlich unmöglich. Nur heute war alles anders.  Der Wind blies mit hohem Tempo aus Osten und war uns endlich einmal nützlich. Im Eiltempo radelten wir Porvenir entgegen. Die Piste war von den vielen Lkw sehr ausgefahren und mit vielen Rippen durchsetzt. An der ersten Weggabelung verbesserte sich aber der Zustand des Weges und die Kilometer rauschten nur so herunter. Unterwegs gab es viele Guanacos zu sehen.

Alles hätte so schön sein können. Etwa 35 Kilometer vor der Stadt setzte Regen ein und das Streckenprofil verschäfte sich. Mit Regenkleidung zu fahren, ist ja eigentlich kein Problem. Durch die vielen heftigen Anstiege kamen wir aber enorm ins Schwitzen und die Atmungsaktivität ist unter solchen Bedingungen nur noch eingeschränkt möglich. Lange Rede, kurzer Sinn. Dank der heute günstigen Windverhältnisse erreichten wir Porvenir nach einem Höllenritt über 142 Kilometer Schotterpiste, die zum Schluss noch mit vielen Schlaglöchern glänzte. Wir waren ziemlich durchnässt. Auch die Räder hatten ein wenig gelitten. Eins meiner Pedalen knackte über die letzten Kilometer und Michaels Gangschaltung funktionierte nur noch eingeschränkt. Zu allem Unglück habe ich mir auch noch das Display meines GPS-Gerätes stark verkratzt. Durch die heftigen Erschütterungen rutschte es in der Lenkertasche zu Boden und leider war eine Schraube im Weg.

Start an der chilenischen Grenze

Wir treffen Valeska und Philipp aus Österreich

 

Ohne Worte!

Eine Herde Guanacos kreuzt den Weg

 

Nur noch 100 Kilometer bis Porvenir

Am Strand der Inutil-Bucht

 

11.02.2011 – Die virtuelle Stadt

Als wir aufstanden, war das Wetter herrlich. Die Sonne schien und der Wind wehte nur sehr schwach. Uns beiden war klar, dass man unter den gestrigen Bedingungen Etappen von 100 Kilometern eigentlich nicht fahren kann. Auf der Karte gab es nur einen einzigen Ort kurz vor der Grenze zu Chile. Die 79 Kilometer nach San Sebastian schienen lösbar.

Das Grauen hat viele Gesichter, der Wind auf Feuerland aber auch. Bei der Ausfahrt aus Rio Grande schien irgendein böser Mensch den Schalter von “schwachwindig” auf “Sturm” umgelegt zu haben. So zumindest fühlten wir uns. Unbarmherzige Windböen erfassten die schwer bepackten Räder in regelmäßigen Abständen. Das Windschattenfahren funktionierte bei diesen Bedingungen überhaupt nicht mehr. In den ersten zwei Stunden zeigte das Tachometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 Kilometern pro Stunde an. Eigentlich schön, dass jetzt eine Abfahrt auf dem Programm stand. Wir traten wie die bekloppten in die Pedale und schaukelten das Tachometer auf lediglich 12 Kilometer hoch. Teilweise zweifelten wir, ob unter solchen Bedingungen das nächste Ziel überhaupt zu erreichen ist. Es war möglich. Dank glücklicher Fügungen drehte der Wind (jetzt von der Seite) ein wenig, sodass wir die Geschwindigkeit etwas erhöhen und San Sebastian gegen 19.30 Uhr erreichen konnten - oder zumindest den Punkt, der auf der Karte als San Sebastian verzeichnet war. Fünf Holzhäuser und eine heruntergekommene Grenzstation erwarteten uns. Mehr nicht! Die auf der Karte verzeichnete Stadt existierte eigentlich nicht. Eine Übernachtungsmöglichkeit war auch nicht vorhanden und wir wurden auf die chilenische Grenze verwiesen. Zelten an der Grenze schien uns auch nicht sehr sinnvoll und so standen nochmals 16 Kilometer auf dem Programm. Der Weg führte jetzt unterhalb eines Bergrückens entlang und war so wenigsten windgeschützt. Dafür war die Straße nicht mehr asphaltiert und von den vorbeirasenden Fahrzeugen wurden wir massiv eingestaubt. Die Dunkelheit brach bereits herein. Es war ein ungeheuer schönes Gefühl, dass das kleine Hotel mit angeschlossenem Restaurant auch tatsächlich geöffnet hatte. Sogar der Wind wehte nur noch ganz schwach. So könnte es auch morgen bleiben …

Denkmal an den Krieg um die Malvinen (Falkland-Inseln)

Heldenhafter Kampf gegen den Wind

 

Unterwegs im absoluten Nichts

Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die Unterkunft

 

10.02.2011 – 110 Kilometer im Gegenwind

Was uns auf der heutigen Etappe nach Rio Grande an der Atlantikküste erwartete, hätten wir uns sicherlich in so einer Form nicht träumen lassen. Schon bei der Abfahrt in Tolhuin durften wir den patagonischen Wind kennenlernen. Ohne viel zu sprechen, lösten wir dieses Problem durch regelmäßigen Führungswechsel. Dadurch konnte wenigstens eine Person etwas vom Windschatten profitieren. Als wir die Küste erreichten, kam es aber so richtig knackig. Voller Sturm von vorne machte uns das Fahren beinahe unmöglich. Der Winde wehte mit geschätzten 60 Kilometern in der Stunde inklusiver Böen, die wahrscheinlich 80 Kilometer erreichten. Man muss es selbst erlebt haben, denn beschreiben kann man so etwas fast nicht. Schwere Sturmböen wehten uns regelrecht in den unbefestigten Randstreifen und die Durchschnittsgeschwindigkeit sank auf 8 bis 10 Kilometer die Stunde. Die Zeit verging, die Getränke gingen zu Neige und das Etappenziel wollte einfach nicht näher kommen. Das einzige Ausflugslokal auf der Strecke war wegen Urlaubs geschlossen. Ich sah aber Leute und fragte nach Trinkwasser. Der Kampfhund war von unserem Besuch nicht sehr angetan und wurde nur mit viel Mühe von seinem Besitzer zurückgehalten. Zum Glück gab man uns Trinkwasser. Es war zwar von der Farbe recht unansehnlich und hatte einen sehr erdigen Geschmack. Doch es war bekömmlich, stillte den Durst und gab uns so die Kraft die noch verbleibenden 35 Kilometer in etwas mehr als 3 Stunden zu fahren. Erst kurz vor Rio Grande ließ der Wind etwas nach.

Unsere Schlafhütte in Tolhuin

Eine Pause am Streckenrand

 

Achtung Wind! Das Schild müsste eigentlich überall stehen

Kurz vor Rio Grande

 

09.02.2011 – Aller Anfang ist schwer…

Am heutigen Tag stand unsere erste Radfahretappe auf dem Programm. Alle Sachen wurden so verstaut, dass wir sie später auch wieder finden sollten – zumindest hofften wir das. Michael Hinterreifen war wieder platt uns so pumpte er zunächst einmal Luft auf, bevor es losging. Vom Hostel fuhren wir zum Supermarkt und weiter zum Hafen. Jetzt fiel mir auf, dass ich mich an die Luftpumpe nicht mehr erinnern konnte. Ein Nachschauen brachte die Ernüchterung. Die Pumpe war nicht da und Michael hatte sie mir sicher gegeben. Lag sie noch im Hostel? Es half also alles nichts und ich fuhr zurück und bekam zur Belohnung noch einen 20%ig steilen Anstieg geschenkt. Im Hostel machte mich ein älterer Spanier darauf aufmerksam, wo ich die Pumpe genau hineingesteckt hat und siehe da – sie war einfach in einer anderen Tasche. So etwas konnte auch nur mir passieren. Ich fuhr zurück zu Michael, der im Hafen gewartet hatte und endlich machten wir uns auf zur Durchquerung von Feuerland.

Nach wenigen Kilometern kam das nächste Problem. Michael Hinterreifen war schon wieder platt. Gut, dass ich die Pumpe jetzt griffbereit hatte. Das Problem lag glücklicherweise am Ventil. Es war schnell behoben und danach radelten wir aus der Stadt heraus. Leicht aber stetig ansteigend  ging es durch traumhafte Bergtäler und über den Garibaldi-Pass in Richtung Tolhuin. Der Wind wehte uns den ganzen Tag ins Gesicht und erreichte teilweise Sturmstärke. Es war schon ein komisches Gefühl, wenn man beim Abfahren vom Berg noch kräftig treten muss, um wenigsten eine Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde zu halten. Als Belohnung erfrischten wir uns am einzigen Restaurant auf der Strecke mit Cola und einem Stück selbst gebackenen Zitronenkuchen. Danach rollten wir in welligem Profil am Lago Fagnano entlang nach Tolhuin, wo wir in einem kleinen Holzhaus nächtigen konnten.

Michael behebt das Problem mit seinem Ventil

Abschied von Ushuaia

 

Herrliche Bergkulisse in einem Seitental

Der Garibaldi-Pass ist erreicht

 

Blick auf den Fagnano-See

Die Kuckucksuhr darf in unserer Hütte nicht fehlen

 

08.02.2011 – Auf die Rolle mit der Jolle

Für unseren letzten Tag in Ushuaia hatten wir uns etwas Besonderes aufgehoben. Eine Schiffstour mit einer echten Segelyacht auf die vorgelagerten Inseln stand auf dem Programm.

Glücklicherweise war der Wind am Morgen nicht besonders stark, sodass die Tour auch stattfinden konnte. Mit fünf weiteren Gästen, Micki dem Kapitän und Carlos dem Führer schipperten wir aus dem Hafen heraus. Nach zwei Kilometern wurden die Segel gehisst und aus eigener Kraft ging es nun auf die H-Insel (wegen ihrer spezifischen Form nach dem Buchstaben benannt). Auf dem Beagle-Kanal wurde der Wind zunehmend stärker und die Yacht beugte sich bedrohlich auf die Seite. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Die H-Insel war vor allem für die Yamana-Indianer von strategischer Bedeutung. An ihrer Nordflanke konnten sie sich im Winter vor dem gefürchteten kalten Südwind in Schutz bringen. Für uns war es unvorstellbar, dass dieser Indianerstamm nackt lebte. Sie kannten überhaupt keine Kleidung. Täglich nahmen sie etwa 8.000 Kalorien zu sich – vor allem Seelöwenfleisch. Der Körper stellte sich auf die Kälte mit einer erhöhten Temperatur von 38 Grad ein (bei uns bereits Fieber!) und so kamen sie gut durch den Winter. Wir fragten uns, wie die Menschen heute unter solchen Bedingungen leben könnte.  Erst die weißen Einwanderer brachten Kleidung mit und dies war auch zugleich der Niedergang der Yamana-Indianer. Da es damals noch keine Funktionskleidung gab, waren die Körper über längere Zeit der nassen Wäsche ausgesetzt. Dadurch wurden sie krank und verstarben. Unglaublich, oder?

Immer wieder gab es herrliche Aussichten auf die herrlichen Inseln im Beagle-Kanal mit ihren rauen und steilen Felsgipfeln. Besonders sehenswert waren auch die Kormoran-Kolonien. Ein lohnender Ausflug, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ab morgen sind wir mit dem Fahrrad unterwegs. Der nächste Reisebericht erscheint erst in ein paar Tagen.

Unsere Jolle lägt sich schräg

Carlos erzählt uns über die Moose auf Feuerland

 

Die "nackten" Yamana-Indianer

Ein Kormoran bewacht seine Kolonie

 

Eine Kormorankolonie auf der Isla de los Lobos

Einfahrt in den Hafen von Ushuaia

 

07.02.2011 – Unterwegs in den Bergen Feuerlands

Am heutigen Tag wollten wir uns erneut körperlich betätigen und so war die Entscheidung schnell getroffen. Unweit von Ushuaia befindet sich der Gletscher “Martial” zu dem ein beschilderter Wanderweg führt. Ein Taxi brachte uns zunächst zur Talstation des Skigebiets auf einer Meereshöhe von nur 300 Metern. Jetzt stiegen wir auf der Skipiste bis zur Bergstation auf, um von dort nach weiteren etwa 45 Minuten an die Gletscherzunge zu gelangen. Auch hier hat die Erderwärmung ganze Arbeit geleistet und aktuell gibt es lediglich drei kleine Stück Gletscher zu bewundern. Es gab sogar kleine und scheinbar nicht sehr tiefe Gletscherspalten.

Ein Besuch im Gebirge wollte ich unbedingt auch mit einem Gipfel abschließen und so verließen wir den Wanderweg, um zunächst im wegelosen Gelände in ein Quertal zu gelangen. Hier kämpften wir uns in groben Schotterfeldern auf einen Pass hinauf. Von hier oben konnte man die herrlichen Berggipfel der Nachbartäler bewundern. Wir trafen auch auf ein Ehepaar aus Israel, das sich in 9 Monaten Südamerika anschauen möchte und sich zu diesem Zweck in Argentinien ein Auto kaufte. Gemeinsam stiegen wir noch ein paar Meter in Richtung Gipfel auf. Es wurde zunehmend steiler und Trittsicherheit war gefragt. Den weiteren Weg zum Gipfel versuchte ich von nun an alleine zu erreichen. Die folgenden Teile des Gipfelgrats waren erstaunlich leicht zu umgehen. Es wurde aber immer steiler und der Fels war ungewöhnlich brüchig, sodass ich meine Tour auf dem letzten Vorgipfel aus Sicherheitsgründen abbrach. Da dieser Vorgipfel laut Karte keinen Namen trug, nannte ich ihn Cerro Yady (in Erinnerung an meine Frau, die momentan bei ihrer Familie in Kuba ist und mir diese Reise erst ermöglichte). Während des Abstiegs konnten wir noch den traumhaften Urwald Feuerlands genießen. Der Bewuchs war unglaublich dicht und durch das verkrüppelte Wurzelwerk hatte es beinahe den Anschein, als ob wir uns in einem Märchenwald befinden würden.

 

Ein verträumtes Bergtal auf Feuerland

Nach der Gipfelbesteigung des Cerro Yady

 

Auf dem Abstieg durch einen mystischen Urwald

Im Innern des mystischen Urwalds

 

Im Hafen von Ushuaia

Rückkehr einer Antarktisexpedition